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Warum der liebe Gott Fussball liebt: Er wettet auf Stossgebete

Foto: Warum der liebe Gott Fussball liebt: Er wettet auf Stossgebete

Argentinien – Schweiz: Zwei Minuten vor Schluss führen die Südamerikaner. Die Schweizer laufen Sturm. Einblendung: Ein argentinischer Ersatzspieler auf der Bank rauft sich die Haare, verschränkt die Hände hinter dem Kopf, kann nicht hinsehen. Wird es reichen? Er bekreuzigt sich, sendet ein Stossgebet zum Himmel.
Und der Herrgott?
Lächelnd sitzt er im Himmel und schaut ebenfalls zu, nimmt wohlwollend zur Kenntnis. Für die zweite Spielhälfte nimmt er sich jeweils Zeit, weil er weiss, dass die Zuwendung für ihn gegen Schluss markant zunimmt. Auf dem Schoss hat er einen Schreibblock, macht Striche für die Stossgebete der Argentinier und die der Schweizer, die ihn auf allen Kanälen erreichen. Als es ihm zu viel wird, hört er auf, er will lieber das Spiel zu Ende sehen. Die letzte Schweizer Flanke, der liebe Gott hält vor Spannung den Atem an. Kopfball –  Pfosten! Der Ball prallt zurück gegen Dzemaili, den Schweizer, und rollt am Tor vorbei ins Aus. Das Spiel ist zu Ende. Welche Dramatik!

Der Gütige atmet tief durch. Er versucht noch aus dem Gedächtnis, die vergessenen Stossgebete nachzutragen, er ist nicht sicher ob er alle erfasst hat. Er schmunzelt und freut sich auf das nächste Spiel. Das Blatt mit den Gebetsstrichen reisst er vom Block und legt es zu den anderen. Mit dem Erzengel Gabriel hat er eine Wette am laufen, dafür braucht er die Zettel später noch. Jetzt aber geht er zurück zu seinem Schreibtisch und wendet sich den Notizen zu, die er sich von den Leuten aus den Favelas gemacht hat.

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5 Kommentare

  1. Eine Prise Humor, die Würze!
    Ja, und weshalb liebt der Herrgott jetzt den Fussball? Ist’s nun wegen der wohltuenden Stossgebete, oder weil es besser sei, sie spielen als dass sie sich bekriegen?
    😉 Georges

  2. Hoi Martin, din Text isch super. Ha das mit de Stossgebätt au scho es paarmol bemerkt. Ich glaube be de Schwizer hätt er nid so vel z’tue gha mit strichli mache. Ich findes au schön, dass mer be dem Text vo der cha schmunzle, mach witer so.

  3. schoener blog martin!
    wie wir ja wissen steht gott dem papst am naechsten und da der ja fuer die argentinier war..
    🙂

    • verwegene theorie corinne, daran habe ich gar nicht gedacht! ich glaube allerdings eher, der liebe gott hat auch für den papst einfach ein strichlein auf dem blatt gemacht, zumindest in dieser angelegenheit. (vielleicht mit einer anderen farbe, damit er beim erzengel gabriel angeben kann 😉 wenn der liebe gott sich anfängt bei spielen einzumischen, kommt er doch in teufels küche…

  4. Oh so schön, wie du geschrieben hast. Wir sind zwar gar nicht etwa fussballfan u als dieses spiel übertragen wurde sassen wir in der stadtkirche lenzburg u durften an der abschiedsfeier der bez.lenzburg teilnehmen wo enkelin anna auch ihr abschlusszeugnis bekam. wir waren sehr erstaunt wie der schulleiter eben dieses thema auch anging, wo doch etliche väter, schüler u ev.die lehrerschaft auch gerne den match verfolgt hätten.von alle dem finden wir es schön, dass es keine schlötterlige u böse worte gab,nach dem spiel, allerdings war es einfach nur still. Alles ist nicht machbar u wir finden es schön hatte die schweiz wenigstens die möglichkeit mitzuspielen.schön, dass du dich auch zu einem nicht kirchlichen thema äusserst, u es aus pfarrerischer sicht beleuchtest.

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