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Was ist eigentlich das Schönste im Pfarrberuf? Eine Lobeshymne!

Foto: Was ist eigentlich das Schönste im Pfarrberuf? Eine Lobeshymne!
Taufgottesdienst

Neben meiner halben Stelle als Pfarrerin bin ich auch noch als Vizedekanin tätig.

Das Dekanat ist die Verbindung zwischen Landeskirche und Kirchgemeinden. Es nimmt die Einsetzungen neuer Pfarrpersonen oder Sozialdiakoninnen und -diakone vor, aber auch Verabschiedungen. Es ist Ansprechpartner für die Kirchgemeinden in verschiedensten Bereichen und bei Sorgen und Nöten. Und so durfte ich vor Kurzem wieder einen neuen Kollegen ins Amt einsetzen. Dabei habe ich mir mal wieder Gedanken darüber gemacht, was eigentlich das Besondere am Pfarrberuf ist, was die schönsten Momente sind.

Für mich persönlich bleibt es dabei, dass es der schönste Beruf der Welt ist. Ich darf Menschen auf ihrem Weg begleiten. Ich darf bei ihren schönsten und schwersten Momenten dabei sein.

Wie bewegend ist es, wenn ein Paar glücksstrahlend in der Kirche vorne steht und sich das Trauversprechen gibt.
Wie berührend, erleben zu dürfen, wenn dann die Taufe des Kindes ansteht – und es kommen ganz neue Dimensionen im Gespräch mit eben diesem Paar auf. Diese Kinder auf ihrem Weg zu begleiten, mit ihren Fragen und ihrer Freude in der Sonntagsschule, im Dorfladen, im Familiengottesdienst. Im Konf-Unterricht mit pubertierender Gleichgültigkeit und Herausforderung umzugehen und Momente zu erwischen, in denen die Jugendlichen auf einmal ganz da sind!
Geburtstage mitzuerleben, jedes Jahr mitzugehen beim Älterwerden, manchmal auch mitzuleiden, wenn ein Mensch so gebrechlich wird, dass es zu Hause nicht mehr geht.
Und dann die Trauergespräche, die nicht einfach, aber so dicht und so wegweisend sind wie es Gespräche selten sind. Zu spüren, was trösten kann, und wo es auch keinen Trost gibt, wo es einfach wichtig ist, dass jemand da ist, aushält und zuhört. Selber mit den Tränen zu kämpfen, und dann zu erleben, ich kann doch gefasst vor der Trauergemeinde stehen, ich darf mich von meinem Amt tragen lassen.

Ich will nicht verschweigen, dass es auch die anderen Momente gibt. Wenn der Gedanke für die nächste Predigt einfach nicht kommen will. Wenn die Vorbereitungszeit am Computer genauso lang dauert wie die Begegnungen mit den Menschen. Wenn niemand im Konf-Unterricht etwas sagt und ich mich frage, was machen wir hier eigentlich? Wenn ich einmal einfach niemanden mehr sehen will, weder reden noch hören möchte. Menschen sind nicht immer einfach! Keine Kirchgemeinde ohne Konflikte! Da muss ich immer wieder gut auf mich achten und für mich Aus-Zeiten, Zeiten der Stille suchen.

Und doch, auch das ist es, was meinen Beruf so unendlich bereichert. Natürlich auch anstrengend macht. Aber ich darf mich immer wieder mit den tiefsten Fragen des Lebens auseinandersetzen. Und ich fühle mich getragen von dem Wissen, dass ich in diesem Beruf nicht auf mich gestellt bin, sondern dass alles Geschenk und Gnade ist, dass Gottes Geist auch heute unter uns wirkt – und welch Glück: manchmal auch durch meine Worte. So hoffe ich wenigstens.

Übrigens: Es gibt jetzt auch einen Quereinstieg ins Pfarramt…
www.theologiestudium.ch/quest/

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2 Kommentare

  1. Liebe Christine
    Danke vielmals für deinen treffenden Artikel über den Pfarrerberuf.
    Nach 37 Jahren als vollamtlicher Pfarrer in der Berner Landeskirche kann ich nur bestätigen, dass unser Beruf und Amt spannend, vielseitig und einmalig ist. Es ist ein Privileg, als Pfarrer zu arbeiten. Ich freue mich auf meine letzten paar Jahre im aktiven Berufsleben und möchte bis zuletzt motiviert und engagiert mein Pfarramt wahrnehmen können. Frohe Grüsse Hans Zaugg, Oberdiessbach BE

    • Lieber Hans!
      Ich freue mich, dass es dir auch so geht! Und wünsche dir für deine weitere Zeit im Pfarramt gesegnetes und freudvolles Schaffen!
      Mit fröhlichen Grüssen,
      Christine

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