Beitragslink

3

Weihnachten ist auch bei den Reformierten keine Jahresendfeier

Foto: Weihnachten ist auch bei den Reformierten keine Jahresendfeier

Ich bin jedes Jahr aufs Neue erstaunt und gerührt, wie sehr sich die Menschen auf Weihnachten freuen. Weihnachten ist an allen Orten derart präsent, dass es kaum möglich ist, an diesem Fest vorbei zu gehen. Jedenfalls bei uns in der Schweiz und wohl in allen christlich geprägten Ländern.

Warum ich erstaunt und gerührt bin?
Darum, weil mir auch Menschen ohne christlichen Hintergrund ihre Vorfreude auf Weihnachten zeigen!

Im Gefängnis begegne ich vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen, sowohl auf die Sozialgesellschaft als auch auf die Religion bezogen. Und da sind es derzeit nicht nur Christen, die mit Blick auf Weihnachten die Trennung von ihrer Familie ganz besonders schwer empfinden.
Es sind muslimische Männer, die mir erzählen, dass sie daheim einen Baum aufstellen und den Kindern Geschenke einpacken. Weil es so ein schönes Fest ist.

Es rührt mich. Und es freut mich.
Es freut mich, zu hören, dass dieser christliche Brauch so viel Freude bereitet, dass er unabhängig seines Glaubenshintergrundes von Menschen übernommen und miteinander begangen wird.

Der Ärger kommt mit der Menü-Karte.

Die Gespräche, die ich mit Menschen ohne christlichen Hintergrund über die Weihnachtsgeschichte habe, über das, was unseren christlichen Glauben ausmacht, was ihn – gerade auch im Vergleich zu anderen Religionen – für mich persönlich besonders macht, diese Gespräche ermutigen mich auch immer wieder, diesen Glauben auch sichtbar zu leben. Sichtbar gerade auch gegenüber Nichtchristen. Ich muss mich nicht verstecken.

Ich muss nicht aus dem Gefühl heraus, Rücksicht nehmen zu müssen, meinen Glauben verleugnen.

Und doch: Ich habe Verständnis dafür, wenn in einem Betrieb, in dem ein ansehnlicher Prozentsatz der Belegschaft aus nichtchristlichen Ländern stammt, am Ende des Jahres nicht nur auf Weihnachten Bezug genommen wird, sondern auch auf das Neue Jahr. Ich habe Verständnis dafür, wenn in mehrheitlich nichtchristlicher Mitarbeiterschaft zu einer Jahresendfeier eingeladen wird.
Obwohl: Ist das nicht eigentlich auch eine Gelegenheit, Menschen anderer Kulturen unsere christlichen Wurzeln bekannt zu machen? Bedeutet Religionsfreiheit, die eigene Religion zu verleugnen?

Weniger Verständnis hätte ich dafür, wenn dies in namentlich christlichen Firmen passiert. Wenn eine Kirchgemeinde einen Gruss verschickt und darin von Jahresendfeiern sprechen würde, anstelle von Weihnachtsfeier, dann hätte ich dafür kein Verständnis. Beim Weihnachtsessen unserer Kirchenpflege stand einmal eine dekorative Menü-Karte auf dem Tisch, darauf stand in ausgewählten Lettern „Jahresendfeier der Kirchenpflege“. Das passt nicht zusammen.

Es ist in der Schweiz üblich, an Geschäftspartner und Kunden Jahresendgeschenke zu verteilen. Wie wäre es, wenn wir diese bewusst Weihnachtspräsentli nennen?

In einer Grusskarte zum Weihnachtsfest ist es mir wieder begegnet. Im Nebensatz mit der sehr viel wichtigeren Botschaft, eine Aargauer Institution zu bedenken, wird auf Endjahresgeschenke verzichtet. Immerhin: Im Vordergrund auch dieser Weihnachtskarte stehen die guten Wünsche für die Weihnachtszeit. Und die frohe Botschaft aus dem Matthäus-Evangelium: „Das Volk, das in der Finsternis sass, hat ein grosses Licht gesehen.“

Stehen Sie zu Ihrem Glauben!

Weihnachten ist das Fest, an dem wir erzählen und verbreiten sollen, dass Gott Mensch geworden ist. Erzählen und verbreiten Sie das! Und nutzen Sie die Gelegenheiten, die sich bieten, vom Wunder in der Krippe zu erzählen. Und von der Hoffnung, dass durch Gott ein Frieden für alle Menschen möglich ist.

(Anmerkung des Autors am 20.12.2016, 13:35 Uhr:
Ich habe diesen Blogtext zwei Tage nach seiner Veröffentlichung revidiert.
Ausdrücklich möchte ich betonen, dass in der erwähnten Weihnachtskarte keine Verleugnung des Christentums impliziert ist.
Das habe ich so weder gesagt noch sagen wollen.)

Diesen Beitrag finde ich...
  • spannend (1)
  • berührend (2)
  • lustig (0)
  • nachdenklich (3)
  • wichtig (12)
  • fragwürdig (17)
  • langweilig (0)

3 Kommentare

  1. Der Autor erweckt in seinem Blogbeitrag den Eindruck, auch «reformiert.aargau» steige mit den diesjährigen Weihnachtskarten zeitgeistig auf den Zug auf, das christliche Weihnachtsfest zu verleugnen. Dieser Eindruck ist falsch und wird wider besseres Wissen verbreitet: In den Weihnachtskarten heisst es in grosser Schrift, anschliessend an das Matthäus-Zitat «Das Volk, das in der Finsternis sass, hat ein grosses Licht gesehen» (Matthäus 4,16), wörtlich: «Für die kommende Weihnachtszeit wünschen wir Ihnen viele frohe und besinnliche Momente.» Warum verschweigt das Thorsten Bunz?

    Ja, das Wort «Endjahrsgeschenke» kommt in der Karte in kleiner Schrift auch vor. Ganz einfach deshalb, weil kleine Zuwendungen an Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner in der Schweiz traditionellerweise nicht zu Weihnachten geschenkt werden, sondern zum Jahreswechsel. Sie heissen an vielen Orten der Schweiz denn auch «Gutjahresgeschenke» (bzw. „Guetjaarchram“, siehe Schweiz. Idiotikon), oder eben Endjahresgeschenke.

    Thomas Illi, Redaktionsleiter «reformiert.aargau»

    • In der Weihnachtskarte von „reformiert.aargau“ steht zusammen mit dem Vers „Das Volk, das in der Finsternis sass, hat ein grosses Licht gesehen.“ aus dem Matthäus-Evangelium ein herzlicher Weihnachtsgruss: „Für die kommende Weihnachtszeit wünschen wir Ihnen viele frohe und besinnliche Momente.“
      Der von mir im Blogtext zitierte Begriff Endjahresgeschenke ist bewusst kleiner gedruckt und soll keine Verleugnung des Christseins darstellen.
      Das habe ich so auch nicht gesagt. Und ja, es war nicht fair von mir, nur den klein gedruckten Text als Beispiel zu verwenden.
      Weil es hier zu Missverständnissen gekommen ist, habe ich den Blogtext geändert.

      Das Beispiel von der „Jahresendfeier“ mit der Kirchenpflege hat mich sehr geärgert. Und ebenso stosse ich mich an dem Begriff „Endjahresgeschenk“.
      Es ist meines Erachtens nicht die Frage, ob ein Begriff auch verwendet werden kann, weil er an sich nichts Falsches sagt. „Endjahresgeschenk“ ist zeitlich betrachtet ja nicht falsch, und dazu das Schweiz. Idiotikon zu bemühen, redlich.
      Dennoch ist doch die Frage, für welchen Begriff entscheide ich mich? Was ist mir wichtig? Und was will ich meinem Grusskartenempfänger damit vermitteln?

      Es bleibt, wie auch immer, eine Erkenntnis übrig: Die Begriffe, die wir für eine Sache verwenden, haben Einfluss darauf, wie wir verstanden werden. Ein bestimmter Begriff löst in einem bestimmten Kontext zwangsläufig eine bestimmte Reaktion aus – Freude oder Ärger, Anerkennung oder Ablehnung.

  2. Bravo! In unserer mehr und mehr „angepassten“, sich um politische Korrektheit bemühenden Gesellschaft, mit dem verherenden Endziel einer weltweiten Einheitsreligion, braucht es die Rufer und Ruferinnen in der „geistlichen Wüste“ je länger, je mehr!
    Die Kinder Gottes sind aufgerufen, gemäss Matthäus 28,19.20 allen Menschen in allen Orten auf dieser Erde das Evangelium, dh. die gute Nachricht des gnädigen Gottes, zu verkündigen! Dass durch diesen Ruf aktuell besonders Menschen mit islamischen Hintergrund Jesus Christus als ihren Herrn und Gott, Retter und Erlöser annehmen, in Europa, in der Schweiz, kann soweit nichts mit der reformierten Kirche zu tun haben… Leider!

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie sämtliche mit * markierten Pflichtfelder aus.