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Wenn einer mit dem Hund spazieren geht…

Foto: Wenn einer mit dem Hund spazieren geht…

Der Blog meines Kollegen Lukas Stuck (7 FAQ’s an einen Pfarrer) und die Kommentare dazu rufen mir eine kleine Geschichte in Erinnerung, die ich vor ein paar Jahren erlebt habe:

Wir hatten vor dem Einzug ins Möriker Pfarrhaus einen Hund, mit dem man natürlich täglich zweimal ein Stück laufen gehen musste. Als er jung war zweimal eine Stunde, später zweimal eine halbe. Unser Hund wurde dorfbekannt, weil er es trotz des extra errichteten Schafzauns immer wieder fertigbrachte, auszubüxen. Er wollte zum Beispiel den Fuchs verfolgen, der ab und zu über unser Grundstück schlich, und weil er dann rot sah, war der Zaun akut kein Hindernis mehr… auf dem Rückweg dagegen dann schon! und so unternahm unsere Samea halt ab und an Streifzüge durchs Dorf. Sie war eine schöne, grosse weisse Maremmaner Hirtenhündin und konnte nicht verwechselt werden, sozusagen ein Dorf-Original. Sie kümmerte sich nicht um Autos, bellte freundlich Leute an, liess sich auch gerne streicheln und kam meistens irgendwann wieder daheim vor der Haustür an.

Ah, der Hund vom Pfarrer!

wussten viele Leute dann, und öfters kam ein Anruf, ob wir wissen wollten, wo unser Hund gerade sei und ob wir ihn nicht holen wollten? Die Leute halfen uns also freundlich, auf unseren Hund aufzupassen.

Der Normalfall war aber schon, dass Samea nicht ausbüxte, sondern ausgeführt werden wollte. Da ich nicht immer zu Bürozeiten arbeite, sondern öfters mal auch von 19-24 Uhr oder am Wochenende, und da ich meist zuhause arbeite (die berühmte „Studierstube“ des Pfarramts), bin ich viel mit Samea zu allen möglichen Tageszeiten laufen gegangen. Nach einer schweren Beerdigung oder einem happigen Gespräch ist ein wenig frische Luft auch für mich Balsam – man kann manchmal nicht gleich zur Tagesordnung übergehen. Auch Predigtvorbereitungen sind oft fruchtbarer unter freiem Himmel – Bewegung regt den Geist an.

Einmal kam es an einem Apéro – war es anlässlich einer Gemeindeversammlung oder bei einem anderen Anlass? – zu einem dieser lockeren Stehgespräche, bei der jemand meinte:

Neulich habe ich Sie mit den Hund laufen sehen, morgens um 10 Uhr; da habe ich gedacht, wenn einer morgens um zehn mit dem Hund laufen gehe, könne das nur der Pfarrer sein oder ein Arbeitsloser…

Ich arbeitete nach einem kurzen Schlucken noch an meiner Antwort, als eine Frau aus dem „Fiire mit de Chliine“-Team, die auch dabei stand, schlagfertig einwarf:

Jaja, dafür habe Ich von ihm auch schon nachts um ein Uhr Mails bekommen für die nächste Kinderfeier.

Damit war der Fall erledigt, und meine Verteidigung konnte ich getrost beseite legen 😉

Unser Hund ist leider im vergangenen August nach fast 16 Jahren gestorben. Ich muss jetzt darauf achten, trotzdem immer noch zwischendurch frische Luft zu bekommen.

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