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Wenn Kirche zum Störfaktor in der Freizeitplanung der Kinder wird

Foto: Wenn Kirche zum Störfaktor in der Freizeitplanung der Kinder wird
Zeltlager für Jugendliche und Konfirmanden

Wer beim Training fehlt, wird beim Match nicht aufgestellt.

Wer sich von dem Einsatz im Club Bistro drückt, muss ein Bussgeld bezahlen.

Wer am Wochenende nicht aus den Federn kommt, gewinnt kein Turnier.

Alles Regeln, die beim Fussball, Handball oder Tennis ohne grosses Murren und Jammern anerkannt werden, auch von Kindern, die oft in Sportvereinen aktiv sind. Für die Mini Messis, Federers oder Peles von Morgen und ihre Eltern ist das alles kein Problem.

Doch wehe, wehe, wenn man im Religionsunterricht eine gewisse Verbindlichkeit erwartet, wenn der praktische Einsatz in der Gemeinde am Wochenende mit dem Sport kollidiert, oder wenn die Gruppe zu einem gemeinsamen Gottesdienst aufgeboten wird: dann hagelt es Proteste.

In der Kirche versuchen wir für alle Verständnis zu haben, Lösungen zu suchen, flexibel zu sein. Doch manchmal brauchen auch wir im Unterricht Verbindlichkeit, elterliche Unterstützung und Disziplin.

Es gibt heute so viele tolle und spannende Lehrmittel, dass man bei der Vorbereitung des Unterrichtes aus dem Vollen schöpfen kann: kleine, spannende Videoclips zum Beispiel, allerlei Anschauungsmaterial, Fotolanguage Vorlagen, Dokumentarfilme, kreative Ideen und vieles mehr. Wir Unterrichtenden geben alles, um den Kindern und Jugendlichen einen spannden Unterricht zu bieten. Und gerne würden wir den jungen Menschen viel zum Thema Glaube und Religion, aber auch zur Selbstfindung, zum Lebenssinn und zur Spiritualität, zu Kultur und Allgemeinwissen mitgeben – wenn man uns nur liesse.

Doch was nützt das ganze Herzblut und die tollen Lehrmittel, wenn der kirchliche Unterricht als Störfaktor in der Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen empfunden wird?

Die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem kleinen Kevin oder Finn mal ein zweiter Beckham oder Nadal wird, ist gering. Dass sich dieser Kevin oder Finn aber mal nach dem Sinn des Lebens, nach seinem Platz in dieser Welt oder nach Gott fragen wird, ist durchaus grösser. Im Religionsunterricht werden Anregungen geboten, die weit über das hinausgehen, worüber man normalerweise so nachdenkt und redet!

 

 

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7 Kommentare

  1. Das man nicht genügend Wissen hat, damit kommen auch Astrologen, Homöopathen, Lichtnahrungspropheten und Sekten immer an. Was genau meinen Sie mit Wissen? Dass Jesus in Bethlehem geboren wurde, beispielsweise? Oder in Nazareth, wenn man ein anderes Evangelium liest? Was ist mit der leeren Grabeshöhle – wer ist da hin gegangen, was wurde dort gesehen? Engel, Jünglinge, wieviele? Alle Evangelien widersprechen sich da gegenseitig.

    Sollen Kinder in gleichem Maße das Judentum lernen, den Islam, den Buddhismus, den Hinduismus und all die anderen Religionen, um auch diese frei beurteilen zu können oder genügt das Christentum – wenn ja, wieso?

    Und wenn Sie einen Widerspruch zwischen Kirche und Gott/Jesus sehen – woher kennen Sie denn Gott? Wer hat denn die Bibel redigiert und tradiert? Ohne Kirche gäbe es ja wohl kein Christentum und wüssten Sie gar nichts von Herrn Jesus.

    Eine Begegnung kann lohnenswert sein – oder auch nicht? Vor allem begegnet ja niemand Gott, abgesehen von Erlebnissen, die stark durch eine vorher erworbene religiöse Erziehung gefärbt sind, und von Autosuggestionen bei Lichte betrachtet nicht zu unterscheiden sind.

    Es ist wirklich eine große Zeitverschwendung auf diese Suche zu gehen, bei der man maximal findet was man finden will.

  2. Ich denke viele haben vergessen was wirklich hinter der Kirche steckt: Ein Jesus der Freiheit, Liebe, Barmherzigkeit, Freude und Annahme gibt. Ja, nicht die Religion oder Kirche ist der Sinn des Lebens sondern ein liebender Gott.
    Ich glaube die Kinder bekommen im Kirchlichen-Unterricht einen unheimlich grossen Schatz mit auf den Weg, den sie in keinem anderen Verein erhalten können.

  3. Beim Sport haben die Kinder Spaß, lernen mit ihrem Körper und dessen Grenzen umzugehen, aber auch den Austausch von Ideen und das einstecken und austeilen von Kritik, hegen Kontakt zu anderen Menschen und bewegen sich und powern sich aus – und verzeichnen Verluste, aber auch Erfolge – sie merken: wenn ich trainiere, wenn ich mich anstrenge und diszipliniert bin, dann kann ich etwas erreichen.
    In der Kirche/im Religionsunterricht lernt man nur wenig Sinnvolles fürs echte Leben. Kritik ist nicht erwünscht, man bekommt immer und immer wieder den selben aufgekochten Brei vorgesetzt und langweilt sich zu Tode – egal wie viele Sitzkreisspiele man veranstaltet.
    Und egal wie viel man betet – letztlich kommt nichts bei rum und muss sich auf Versprechen Dritter verlassen, die einem das Blaue vom Himmel versprechen. Ohne Gewähr natürlich.
    Die meisten Dinge, die Sie gerne vermitteln würden wurden uns damals im Unterricht auch versprochen. Bekommen haben wir Langeweile, peinliche Jesus-Schnitzeljagden durch Klöster und Kirchen und Höllendrohungen.

    Warum nur hagelt es Proteste, wenn die Bet-Fraktion fordert? Zumal diese ohnehin schon eine ganze Menge fordert und ungern gibt.

    • Nadine Hassler Bütschi 25. November 2015 um 19:41 Antworten

      Lieber Smiling-joe
      Danke für Ihre Reaktion. Ihren Gedanken zum Thema Sport kann ich gut nachvollziehen und zustimmen. Ich habe als 6. jährige mit klassischem Ballett angefangen und mussten den geliebten „Spitzensport“ mit 32 Jahren wegen einem Unfall aufgeben. Ich vermisse die Leichtigkeit des Tanzes, das Körpergefühl, das Miteinander bei Hebefiguren, die Anstrengung und das Glück, die Disziplin immer noch sehr. Durch den damaligen Unfall habe ich etwas sehr Wichtiges in meinem Leben verloren.
      Betrübt hat mich aber Ihre Meinung zum Religionsunterricht. Sie müssen einen schrecklichen Unterricht erlebt haben und ich hoffe sehr, dass keiner meiner Schüler mir mal so ein Zeugnis ausstellt. Ich erwarte auch nicht, dass meine Schüler alles cool finden, was ich erzähle. Ich verspreche auch nichts und drohe gewiss nicht mit der Hölle, ich bin zufrieden wenn meine Schüler eine solide Grundkenntnis unserer Religion und Kultur bekommen. Wenn sie ihren Horizont mit theologischen, philosophischen und ethischen Fragen erweitern. Wenn sie offen bleiben für Gott – mit allem Zweifeln, Suchen und Hinterfragen, das zum Menschsein dazu gehört. Unterrichten können wir nur eine Religion – ob daraus Glauben entstehen darf, das ist nicht in der Möglichkeit der Unterrichtenden. Schön wärs! Liebe Grüsse, Nadine Hassler Bütschi

  4. Die Religionen behaupten seit Jahrtausenden, den Sinn des Lebens zu kennen oder zu haben. Es überzeugt immer weniger. Freie Menschen, die sich eigene Gedanken machen, kommen oft zu dem Schluss, dass die Antworten der Kirchen falsch und wertlos sind.

    Und dafür am Wochenende früh aufstehen und sich in langweiligen Messen bei schleppend, ödem Gesang und den immer gleichen Märchen zu langweilen, Jahr für Jahr?

    • Nadine Hassler Bütschi 25. November 2015 um 19:51 Antworten

      Lieber Herr Wagner
      Martin Luther hat das Buch „Über den freien Willen“ geschrieben und die reformierte Landeskirche hatte mal eine Kampagne unter dem Titel „Selber denken“. Doch damit ich selber denken kann, muss mein Kopf und Herz mit Wissen gefüllt werden. Damit ich überhaupt eine Meinung haben kann und mich frei dafür oder dagegen entscheiden kann, braucht es das nötige Wissen.
      Unsere Urahnen haben die Waschmaschine oder die Elektrizität nicht vermisst, denn sie wussten nicht, was das überhaupt ist. Wir würden wohl beides auf Schmerzlichste vermissen.
      So ist es wohl auch mit der Religion – erst eine sorgfältige Auseinandersetzung damit, gibt mir die Möglichkeit mich wirklich frei dafür oder dagegen zu entscheiden.
      Die Kirche hat in ihrer Geschichte gewiss manchen Fehler gemacht (und macht sie wohl immer noch). Aber eigentlich geht es ja nicht um die Kirche, sondern um Gott und Jesus. Und eine Begegnung mit Gott / Jesus kann durchaus spannend und lohnenswert sein.
      Liebe Grüsse, Nadine Hassler Bütschi

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