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Wer sucht, der findet

Foto: Wer sucht, der findet

Mir gefällt dieser Satz, nicht nur weil er aus dem Buch der Bücher ist. Und ich liebe diese Redewendung nicht nur, weil sie von Gott persönlich ist und er uns damit ausrichten lässt, dass er sich finden lässt, wenn wir ihn suchen. Ich liebe diese Redewendung, weil sie sich im Alltag immer wieder als wahr erweist. Ich meine das aber nicht in Bezug auf mein leicht chaotisches Wesen mit allen Begleiterscheinungen, die ein solches Leben so mit sich bringt.

Ich meine etwas anderes: Wir sehen im Alltag viele Dinge nicht, obwohl sie offensichtlich da sind. Erst wenn wir unsere Aufmerksamkeit bewusst darauf richten, erkennen wir sie.

Ein Beispiel dafür ist „geocaching“. Kennen Sie das?

Ein weltweit verbreitetes Suchspiel nach Dingen, die auf dem ganzen Planeten versteckt sind. Man findet die Dinge nur mit den entsprechenden Hinweisen, auch wenn sie mitten in Städten und bewohnten Gebieten versteckt sind. Für Interessierte gibt es weitere Infos hier: http://www.geocache.ch

Ich versuchte vor Jahren schon das geocaching meinen Konfirmanden näher zu bringen: Wir fuhren nach Solothurn ins Konfweekend und machten in der Altstadt eine geocaching-Suche, die ich im Internet fand. Nach einer langen, postenlaufartigen Suche durch die Stadt kamen wir ans Ziel und fanden eine Plastikbox, die in einem Wäldchen nahe der Stadt versteckt war. Darin befanden sich kleine Gegenstände, die frühere Fündige hinterlassen hatten und man konnte sie tauschen gegen etwas selbst Mitgebrachtes. Meine Freude über den Fund war gross.

Ich musste aber einsehen, dass diese Suche nicht bei allen die gleiche Faszination hervorrief wie bei mir. Jedenfalls fragte mich eine Konfirmandin ganz irritiert, wie zum Himmel Menschen darauf kommen, solche Dinge auf der Welt zu verstecken, damit sie andere finden. Das sei ja wirklich sinnlos.

Offensichtlich spürte sie nicht die gleiche Aufregung wie ich, als wir uns auf die Suche machten und auch nicht die kindliche Freude als wir das Gesuchte schliesslich fanden.

Dennoch bleibe ich dabei: Wer sucht, der findet und freut sich über den Fund! Und wird durch diese Freude ein anderer.

Doch bevor sich ein Mensch auf die Suche macht, braucht er die Neugier etwas finden zu wollen.

Ich staune darüber, dass meine Neugier Neues entdecken zu wollen, auch mit zunehmendem Alter nicht weniger wird. Mein Interesse nach all dem, was da ist und doch nicht gesehen wird, ist unstillbar. Ich suche gerne.

Und das ist das Schöne an meinem Beruf als Pfarrerin: Mit anderen Menschen unterwegs sein, ihnen beim Suchen helfen ohne zu wissen, worauf wir letztlich stossen werden. Ich weiss inzwischen, mein Leben wird eine Suche bleiben, ich werde auf dieser Erde nie ganz ans Ziel kommen.

Aber meine Frage, wonach ich suche, wird immer präziser. Und das Vertrauen auf den einen, der uns auf die Suche geschickt hat, auch.

 

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10 Kommentare

  1. Cooler Blog, gefällt mir 😀 Du magst ja Sprüche, wie Du uns an anderer Stelle verraten hast. Darum auch noch ein Spruch von mir, der mit dem Thema auch etwas zu tun hat, wie ich finde: „Manchmal findet man den Wald vor lauter Bäumen nicht“.

  2. Du hast schon Recht, Corinne, auch ich werde mit dem „Alter“ immer neugieriger, denke ich. Und zwar ganz einfach deshalb, weil sich mir immer mehr erschliesst, was ich noch alles nicht weiss. Oder anders gesagt: ich weiss, dass ich nichts weiss. Dieses Verlangen, mehr zu wissen, mehr zu erfahren, mehr zu erleben – schön, wenn es uns möglichst lange erhalten bleibt!

  3. Ich schliesse mich Deinen Ausführungen an, mit einem weiteren, schönen Sprichwort: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ 😉

  4. „Wer sucht, der findet“ – mir fallen dabei gleich meine Kinder ein, bei denen das ganz und gar nicht so stimm: Sie können zwar suchen, aber sie finden nicht.
    Kennst Du das: da suchen sie seit gefühlten Stunden einen ganz bestimmten Ball … oder die Jacke … oder den Velohelm, der doch gestern noch genau dort gelegen habe. Und dann kommst du endlich, um selbst mal nachzuschauen und erblickst sofort das gesuchte Stück. … Kinder können nicht finden.

    Und dann springt mir noch die Herrnhuter Losung gerade heute ins Auge:
    Ich liess mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten,
    ich liess mich finden von denen, die mich nicht suchten. (Jesaja 65,1).
    Es braucht also wohl doch Gottes Zusage, dass er sich auch finden lassen will.

    • ja torsten, das kenne ich von meinen kindern auch. aber bei denen ist es manchmal nur faulheit, wozu sollten sie suchen, wenn das mami ja das viel besser kann….?!

      den unerwarteten fund habe ich jetzt natürlich nicht behandelt, den gibt es ja auch, wie den schatz im acker… aber wer sucht, der findet besser, nach wie vor… 🙂

  5. gute gedanken! ich frage mich, wie sehr wir selbst beeinflussen können, dass wir letztlich ans ziel kommen.
    oder hilft uns das suchen zu merken, dass wir unterwegs sind an ein ziel?
    ich kenne zeiten, wo ich verzweifelt auf der suche war, weil ich das gefühl hatte, nichts zu finden. gott sagt ja, er lässt sich finden, wo ist er also? seine aussage bedingt nicht nur unsere suche, sondern auch dass er sich uns offenbart. und hier frage ich mich manchmal: bin ich zu sehr fixiert auf das, was ich finden will, dass ich ihn manchmal nicht erkenne? eine verzweifelte suche macht blind etwas zu finden.

    und die frage ist ja auch, wo ich suche. wenn ich in mir drin suche, dann ist gerade das still werden, sich von allem äusseren trennen, das mich täglich bestimmt, wichtig, um bei der suche fündig zu werden. in allem suchen bin ich bescheidener geworden. meine offenheit zu finden ist wichtig. aber wann und wie ich finden werde, liegt nicht in meiner hand. aber immer wieder kraft und neugier zu finden, weiter zu suchen, ist für mich beweis genug, dass es ein ziel gibt. ob dir das genügt?

  6. Und doch: führt die Suche immer ans Ziel, frage ich mich. Ich suche und suche und suche und werde eben gerade nicht fündig. Gibt es Gott, woran lässt sie sich erkennen, wie lässt er sich erfahren? Vielleicht führt hier nicht eine weitere Suche ans Ziel, sondern einfach ein Innehalten? Ein Stillwerden? Ein Nichtwollen? Verstellt mir die Suche gar den Weg zur Erkentnis, frage ich mich manchmal.

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