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Wie lange dauert eigentlich Weihnachten?

Foto: Wie lange dauert eigentlich Weihnachten?

Als ich diese Gedanken aufgeschrieben hatte, gab es noch keinen Anschlag in Paris. Kann man jetzt mit Banalitäten wie der Frage kommen:

„Wie lange darf der Weihnachtsbaum in der Kirche stehen?“

Es sind Fragen, die unsere kirchliche Tradition und unseren Glauben betreffen und darin auch unseren Alltag. Und so möchte ich versuchen, sie mit dem aktuellen Geschehen zu verbinden.

Ich werde jedes Jahr gefragt: Ist es in Ordnung, wenn der Weihnachtsbaum noch am Sonntag nach dem Dreikönigstag steht?
Und ich antworte jedes Jahr aus vollem Herzen: Ja!
Denn die Weihnachtszeit geht ganz offiziell bis zum Sonntag nach dem 6. Januar, dem 1. Sonntag nach Epiphanias.
Es gibt sogar Traditionen in der katholischen Kirche, dass Weihnachten mit Mariä Lichtmess am 2. Februar endet. Und solange steht dann auch der Baum.

Aber es ist ja mittlerweile in vielen Bereichen so, dass kirchliche Traditionen von den alltäglichen Bedürfnissen und Vorstellungen abgelöst werden. Ist das nicht vielleicht auch etwas, an dem unsere westliche Gesellschaft krankt? Wie stand doch heute in der AZ-Kolumne: Es werden nach Weihnachten nicht die Zahlen der KirchgängerInnen veröffentlicht, sondern der Umsatz.

Warum erscheint es uns eigentlich seltsam, dass es am 11. Januar noch einen Weihnachtsbaum in der Kirche hat?
Ich glaube, weil wir Weihnachten vorziehen. Schon seit der frühen Adventszeit stehen die Bäume, alles ist weihnachtlich geschmückt, denn nachher wäre es ja zu spät – zu spät für die Geschäfte, für den Umsatz.
Wenn dann Weihnachten da ist, dann ist es auch schon vorbei. Dann hatten wir es ja schon so lange vor Augen gehabt, dann reicht es!
(Und dann muss ja auch schon das Fassnachtsgeschäft anlaufen.)

Ich finde es aber wichtig, diese alten Traditionen immer wieder bewusst zu machen, denn sie haben ihren tiefen Sinn und entsprechen in vielem dem menschlichen Wesen. Die Adventszeit als Vorbereitung auf Weihnachten hat ihren tiefen Sinn:  Denn brauche ich nicht auch Zeit, in mich zu gehen, mich mit dem Sinn von etwas zu beschäftigen, bevor ich es gross feiern kann?

Und Weihnachten beginnt dann am 24. Dezember – aber endet nicht schon am Stephanstag! Weihnachten dauert bis zum 6. Januar – und zum Sonntag danach. Und wer seinen Weihnachtsbaum bis zum 2. Februar stehen lässt, dem sei auch das gegönnt!

Ich habe jedenfalls am Sonntag nach Epiphanias über die Sterndeuter aus dem Osten gepredigt und Weihnachten bis zum letzten Tag gefeiert. Auch wenn Weihnachten schon gefühlte Jahre zurückliegt.
Die Freude über die Geburt Jesu Christi darf ich mitnehmen ins neue Jahr. Sie darf mich geleiten durch diese struben Zeiten, durch die Ängste, die durch den Anschlag in Paris wieder stärker geworden sind.
Jesus Christus mitnehmen ins neue Jahr – ja, das will ich auch bewusst gegen allen Hass und alle Wut. So wie er Menschen begegnete, so will ich Menschen begegnen.

Und als ich mir für meine Predigt Gedanken machte über die „drei Könige“, die ja weder drei noch Könige sind, da fiel es mir auf einmal besonders auf:

Diese Menschen aus dem Osten, die mit als erste Jesus anbeteten und erkannten, sie waren „Heiden“ und blieben „Heiden“!
Sie erkannten Gottes Weisheit und liessen sich von Gott führen.

Unabhängig von Nationalität und Religion schenkt Gott uns Menschen seine Zeichen – wir müssen sie nur sehen! Der Stern von Weihnachten, er kann mein Leitstern sein ins kommende Jahr!

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1 Kommentar

  1. Über Ihre Antwort bin ich sehr froh, denn neben meiner Haustüre hängt immer noch der Adventskranz! Also darf der schön grüne Kranz bis am 2. Februar hängen bleiben ohne schlechtes Gewissen meinerseits.

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