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Wie sieht Gott aus?

Foto: Wie sieht Gott aus?

Welches Bild von Gott haben Sie im Kopf? Alter Mann mit weissem Bart? Ich weiss, wir sollen uns kein Bild von Gott machen, und trotzdem machen wir es. Zumindest suche ich immer wieder danach. Als Kind war der alte Mann mit Bart und weissem Gewand aktuell. Heute sehe ich Gott in der Liebe und in seiner Schöpfung. Zum Gottesbild gibt es eine schöne Geschichte von Rafik Schami. Gott fragt seine Schöpfung: „Wie sehe ich aus?“ Die Wolke weiss nicht wie Gott aussieht, aber sie kann ihn spüren und er scheint ihre Gedanken lesen zu können. Der Schmetterling weiss nicht wie Gott aussieht, aber er muss eine Zauberhand haben, denn er hat aus einer hässlichen Raupe einen schönen Schmetterling gemacht. Das Schneeglöckchen, weiss nur, dass Gott ein guter Tröster ist und seine Versprechen hält. Die Maus ist froh, dass Gott sie so klein gemacht hat, denn wenn sie ins Mauseloch schlüpft, kann der Raubvogel sie nicht fressen. Gott beschützt.

Und so werden im Laufe der Geschichte immer mehr Eigenschaften von Gott beschrieben.

Diese Geschichte erzählte ich, in angepasster Form meinen 8-jährigen Schüler und Schülerinnen. Das Ziel war, den Kindern auf einfache Art und Weise aufzuzeigen, dass Gott vielfältiger ist als einfach ein alter Mann mit weissem Bart.

Nach der Geschichte durften die Kinder Symbolkarten auswählen, zu der Frage wie  Gott sonst noch aussehen könnte. Sternenhimmel, Herz, König, zwei die sich umarmen, Fragezeichen usw.

Mit den ausgewählten Karten kamen die Kinder in den Kreis zurück und erklärten ihre Auswahl:

„Ich habe das Fragezeichen ausgewählt, weil ich nicht weiss wie Gott aussieht“ und „Das Herz gefällt mir, weil Gott lieb ist“, „Sternenhimmel, weil Gott dort wohnt?!“. Als die Karte mit dem König ins Spiel kam, lächelte ich und sagte: „Gott ist wie ein König, nicht wahr?“ und das Kind antwortete:“ja, und er trägt einen Bart!“

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1 Kommentar

  1. dass wir uns kein bild machen sollen, heisst, finde ich, dass wir uns kein bildnis von anderen göttinnen und göttern machen sollen, um uns davor niederzuwerfen. in der quintessenz sagt das gebot, dass wir sie nicht anbeten sollen. und auch das steht infrage, weil der monotheismus in gewisser weise veramt ist. es ginge wohl um eine seine wahrheit bewahrende reintegration. in der diskussion um das atheismusnahe christentum ist das missverständnis aufgekommen, gott als person zu verstehen, bedeute, sich ihn (ihn?) „figürlich“ vorzustellen. kann sein, muss aber nicht sein. die menschwerdung endete im grab, mit der gestaltlosigkeit, der ausdehnung null. zur geschichte von rafik schami möchte ich sagen, dass wir die person, die uns etwas gutes tut – und das ist wohl telepathisch bedingt – , zu sehen beginnen, dass die erfahrung in einem schauen endet.

    friedrich schleiermacher ist, finde ich, mit seiner identifikation von gott und universum im recht. nur muss man bedenken, dass dass die planetin erde und wir auch bestandteil des universums sind. universum heisst, dass wir mit dem universum vereinigt sind. oder allgemeiner gesagt: das mit sich selbst vereinigte universum, das in seiner tiefe, auf seinem grund, wo alles in allem ist, liebe ist. der vater erscheint mir als die finsterste nacht, die die sterne, den sohn, erleuchtet. bleibe ich aber bei dieser tradition, werden in mir das oberste und das unterste bewusstseinszentrum zu stark angesprochen, und das zweitoberste und das zweitunterste zuwenig. so komme ich darauf, dass gott auch mutter ist. die aktivierung des bewusstseinszentren gleicht sich damit aus, und die finsternis, wird zu einem weniger oder nicht mehr finsteren dunkel. das finsterste und zugleich hellste bleibt als möglichkeit erhalten, ist aber in der vollständigeren erfahrung nicht dominant. eine freundlichere nacht erleuchtet die sterne, und die sterne, auch nicht nur männlich, erleuchten wiederum die nacht. nun kann es sein, dass diese sterne sich sammeln und zu einer gestalt werden, die mir als bild erscheint. das kann eine person sein, die ich kenne. man muss aber bedenken, dass die wahrnehmung dieser person aus dieser person selbst und meiner projektion besteht. sehr wesentlich finde ich auch, dass es nicht bei der elternbeziehung und beim familiären bleibt: das, was geschieht, wenn eine tochter der einen familie und ein sohn einer andern familie einander kennenlernen, die ganze schöpfung als gleichnis. alles ist buddha, sagt die religion, die meines erachtens zu unseren interessantesten gesprächspartnerinnen gehört. in einem einzelnen offenbart sich das ganze, die alles verändernde vereinigung von allem mit allem. da wäre noch vieles auszuführen. aber ich glaube, es ist genug, und auch Sie haben genug.

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