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Will ich auf etwas verzichten? Und wenn ja, kann ich?

Foto: Will ich auf etwas verzichten? Und wenn ja, kann ich?

Morgen beginnt die Passionszeit und ich stelle mir – wie jedes Jahr – die Frage, ob ich auf irgend etwas verzichten sollte. Eigentlich verrückt als Reformierter, wo doch die Reformation in Zürich erst durch das Wurstessen beim Buchdrucker Froschauer so richtig Fahrt aufgenommen hat.
Mein jüngster Sohn hatte beim Mittagessen die Idee, sieben Wochen lang auf Gemüse zu verzichten, was ihm nicht schwerfallen würde und ich habe auf Facebook meine «Freunde» gefragt, ob ich wieder «Facebook-Fasten»  soll, wie vor vier Jahren. Die Reaktionen könnten unterschiedlicher nicht sein. Von

«Schaffst Du eh nicht. Keine einzige Woche.»

über

«Oh je, Du könntest etwas vollkommen Belangloses versäumen.»

bis

«Ich weiss nicht, woher die Idee mit dem Facebook-Fasten kommt… Genauso gut kann man doch sagen: Ich verzichte 7 Wochen auf Besuch oder spreche nicht mehr mit meinen Freunden.»

war fast alles dabei.
Die Antworten fordern mich heraus. Mir sagen zu lassen, dass ich das keine Woche schaffen würde, spornt mich an es zu versuchen, befördert aber die Angst zu scheitern. Die Belanglosigkeiten, denen auf Facebook immer wieder begegne, sind der eigentliche Grund übers «Facebook-Fasten» überhaupt nachzudenken, denn auch sie kosten Zeit und fehlen würden sie mir nicht. Aber ich müsste auch tatsächlich verzichten. Das «Facebook-Fasten» würde den Kontakt zu vielen lieben Menschen unterbrechen. Sie würden mir in den sieben Wochen (oder wie lange auch immer ich durchhalte) fehlen. Für anderes und andere hätte ich jedoch mehr Zeit. Und die Vorfreude, den Facebook-Freunden nach sieben Wochen wieder zu begegnen, die würde von Woche zu Woche steigen.
Damit bin ich glaub bei dem, was den Verzicht in der Passionszeit und die Aktion 7-Wochen-ohne ausmacht: Sie wollen uns auf das Fest der Auferstehung, auf Ostern vorbereiten und durch das absehbare Ende des Verzichts die Vorfreude steigern.
Mal sehen, ob ich 7 Wochen durchhalte! Aber so oder so: Ostern wird gefeiert! Ganz gross!

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1 Kommentar

  1. das wort verzicht, gefällt mir seit jeher nicht. ich verzichte darauf, oder eben anders gesagt: ich verwende es nicht. zicht erinnert an zucht, meine befürchtung: der umschlag in sucht. das neue testament spricht von der hundertfachen gegenwart dessen, was man nicht beansprucht. (mk 16.30 und parallelstellen) zusammen mit meiner hundertfachen partnerin habe ich n mal hundert kinder. obschon ich seit 46 jahren nicht mehr fliege, habe ich nicht das gefühl, dass ich zu wenig fliege etc

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