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Zeichnungen der Hoffnung und der Sehnsucht

Foto: Zeichnungen der Hoffnung und der Sehnsucht

Viele Zeichnungen an den Wänden im Haus „Mama Afrika“, der ehemaligen Soldatenstube, zeugen von Heimweh, von erlittenen Strapazen, von Schmerz und Hoffnung. Gezeichnet wurden sie von Asylbewerbenden, welche sechs bis acht Wochen im Bundesasylzentrum auf Bericht warten. Am Mittwochnachmittag laden wir Seelsorgenden zu Kaffee, Tee, Spiel und Gespräch ein. Das „Café“  steht den Asylsuchenden und den Bewohnerinnen und Bewohnern von Bremgarten und Umgebung offen. An diesem Nachmittag wird viel gezeichnet, die meisten übergeben ihre Zeichnung mit Stolz zum Aufhängen. Die Überfahrt von Libyen nach Lampedusa ist mehrmals Thema. Ein junger Mann aus Eritrea übergab seine Zeichnung zum Aufhängen. An diesem Nachmittag hatten wir Besuch von Konfirmanden. Ein Konfirmand stand staunend vor der Zeichnung, darauf war ein Boot zu sehen, in dem viele dicht gedrängt auf das Meer schauten und dem Kapitän zuhörten, der ruf: “Bald sind wir in Europa!“ Für den Konfirmand war es eindrücklich einen jungen Mann zu treffen, nicht viel älter als er, der eine schwierige Reise erlebt- und überlebt hatte.

Zum Advent werden wir an den Wänden Platz schaffen für die kommenden Menschen im zweiten Jahr.

An diesen Mittwochnachmittagen gibt es immer wieder meist sehr angenehme Überraschungen. Da kam zum Beispiel ein Ehepaar mit Hund zur Türe herein und sagte: “Früher bekamen wir hier einen Kaffee.“ Ich sagte ihnen, dass sie auch jetzt einen Kaffee bekämen, nur seien wir ein etwas anderes Publikum. Es stellte sich heraus, dass der Mann in jungen Jahren für eine Schweizerfirma in Teheran arbeitete. Wir hatten in jener Zeit Menschen aus dem Iran unter uns. Wie staunten die jüngeren Menschen, dass sie ein älterer Schweizer, in ihrer Sprache grüsste.
An diesem Nachmittag können auch guterhaltene Koffer, Reisetaschen u.a. abgegeben werden und bei einem Kaffee, vielleicht auch bei einem Dominospiel, lässt sich oft leicht ein persönlicher Kontakt zu einem Menschen oder einer kleinen Gruppe aus einer fernen Welt schaffen. Sehr dankbar sind wir für die treuen freiwilligen Mitarbeiterinnen. Sie bringen mit ihren Ideen und Mitgebrachtem Leben in die „Stube“. Wir sind froh, dass uns immer wieder Zeit und Raum bleibt für ein Gespräch oder einfach zuzuhören, vor allem wenn an diesem Nachmittag grad Neuangekommene dazu stossen.
Viele Menschen werden in diesem zweiten Jahr kommen und weiter ziehen. Wir hoffen auch ihnen mit den freiwillig Mitarbeitenden, Kameradin, Bruder, Schwester des Augenblicks sein zu können.

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