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Wo ist noch ein Platz frei?

Foto: Wo ist noch ein Platz frei?

Ich durfte in Basel mit dabei sein, als in der Offenen Kirche Elisabethen der ökumenische Pfingstgottesdienst live vom Schweizer Fernsehen übertragen wurde. In der offenen Kirche wird eine schöne und aussergewöhnliche Form des Abendmahls gepflegt: An einem sehr langen Tisch treten die Menschen von beiden Seiten hinzu und teilen eigenhändig miteinander Brot und Wein. Dieses Mahl wurde zu Pfingsten natürlich gefeiert – wundervoller Ausdruck von Gemeinschaft und Egalität. Eine berührend schöne, eigens komponierte Jodelmesse stand auf dem Programm.

In der offenen Kirche Elisabethen gibt es keine traditionelle Sonntagsgemeinde. Ein Spartenpublikum versammelt sich zu jeweils ganz unterschiedlichen  Anlässen. So rechneten die Verantwortlichen vor Ort mit vielleicht 120 Menschen, für die auf beiden Seiten des langen Tischs je drei Stuhlreihen bereitstanden. Aber was ich vermutete, trat ein: Die Werbetrommel der Offenen Kirche über Social Media wirkte, und schon eine Stunde im Voraus strömten am Sonntagmorgen die Menschen in die Kirche. Jung und alt, Mensch und sogar Hund, gesund und gebrechlich, alle kamen und versammelten sich zu einer bunten, fröhlichen und erwartungsfrohen Gemeinde. Church at its best! Es waren wohl zuletzt viermal so viele Menschen wie erwartet.

Das Fernsehteam hatte im Voraus die Kamerapositionen exakt geplant, und es sollten Korridore für die fahrbaren Kameraständer frei bleiben. Der Ansturm machte (fast) alles zunichte: Klappstühle wurden herbeigetragen, und überall entstanden noch spontane Stulhreihen und Sitznischen. Die Regisseurin winkte lächelnd ab und stellte sich auf ein vereinfachtes Szenario für die Bildgebung ein.

Kurz vor zehn Uhr trafen immer noch Leute ein. Eine Frau in den Sechzigern stand plötzlich neben mir und blickte suchend um sich. Alles war zum Bersten voll. Schmunzelnd sagte ich zu ihr: „Auch mal eine Erfahrung, dass man zum Sonntagsgottesdienst in einer Kirche noch nach einem Platz Ausschau halten muss!“

 

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1 Kommentar

  1. Fein, dass du diese Erfahrung gemacht hast! Ich wünsche dir, uns, weitere Überraschungen im neuen Pfingstjahr.
    Marie Eve

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