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Ablass

Wir sind bei Freunden eingeladen, geniessen den Abend auf der Terrasse. Im Garten sitzen die Kids der Familie mit Freunden am Grill, Musik läuft.
Der Sohn der Familie weiss, dass ich Pfarrer bin. Das ist bei vielen Leuten ein Ding, ein Pfarrer!

Plötzlich steht er mit seinem Kumpel vor mir, Arm in Arm, sie grinsen. «Was muss ich tun, um meine Sünden loszuwerden?» fragt der mir unbekannte Teil des Duos.
Eine Testfrage.

«Willst Du es wirklich wissen?» gebe ich zurück. Beide nicken.
«Gar nichts», erkläre ich. Verblüffte Gesichter. Das haben sie nicht erwartet. Ich erkläre ihnen das, was Paulus «Rechtfertigung aus dem Glauben» nannte: Gott schenkt seine Vergebung frei. Es braucht dazu keine Opfer, es gibt keinen Kaufpreis für die Erlösung. Wer, der liebt, würde nicht aus freien Stücken vergeben? Zu glauben bedeutet, diese Vergebung annehmen zu können.

Sie sind skeptisch, fast ein wenig enttäuscht. «Ach, komm jetzt», verziehen sie das Gesicht, sie finden es fast ein wenig billig. So, als ob ihre Sünden gar nichts wögen.

«Na gut», sage ich, «du kannst mir einen Kaffee bringen.»

Ich werde ein wenig über das katholische Konzept der Busse nachdenken. Vergebung aus freien Stücken ist wunderbar – aber man möchte vielleicht auch zeigen, dass es einem ernst ist. Aus Reue etwas Gutes tun, zeigen dass man geläutert ist, dass man sich wirklich ändern möchte. Dass man der Vergebung würdig ist.
Das darf man ja auch!

Nur zur Bedingung, zum Preis der Vergebung darf das nicht werden. Sonst landen wir beim Ablass. Und den haben wir vor langer Zeit schon mit guten Gründen verworfen.

 

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3 Kommentare

  1. immerhin spricht das neue testament von einem sühnopfer, dass die rechtfertigung durch den tod von jesus geschieht, indem wir mit ihm sterben. und luther konzediert, dass die übereinstimmung des äusseren mit dem inneren, mit jesus gestorbenen menschen durch werke geschieht. die antwort könnte gewesen sein: „nichts – aber dazu musst du sterben.“

    • Womit wir wieder bei der theologischen Frage sind, ob es eben nicht gerade die Überwindung des Sühnopferschemas bedeutet, aus Glauben gerechtgesprochen zu sein. Ich halte dafür. Diese Konstruktion, dass Jesus sterben musste, damit wir gerechtgesprochen werden könnten, ist fragwürdig geworden. Ich teile die Ansicht Drewermanns, der sagt: „Ganz dramatisch stellt sich am Ende dann die Frage, warum Jesus sterben musste. Dazu haben wir zur Auskunft, weil Gott das so gewollt habe. Er habe seinen eigenen Sohn nicht geschont, er habe ihn zum Opfer für die Sünden der Menschen gegeben, er habe sein unschuldiges Leiden zur Wiedergutmachung der Sünden aller benötigt, damit Gerechtigkeit werde. Wir wissen vermeintlich über die Planungen Gottes unendlich viel, aber wir kommen ganz sicher nicht auf die Idee, einfach zu sagen, Jesus musste sterben, weil wir alles besser wissen möchten. Jesus kam, uns zu sagen, was jeder spüren könnte, was Gott in ihm selbst redet – an Liebe, an Güte, an Verstehen, an Öffnung. Dann aber bekommen wir Angst. Wir haben ihn totgeschlagen aus lauter Angst. Nicht Gott wollte das.“

      • buddha starb während des lebens und erwachte. er wurde offenbar seine sünde los, ohne dass jemand für ihn sterben musste, um dann mit ihm sterben zu können. in diesem zusammenhang wird auch verständlicher, warum judentum und islam nicht an einen gekreuzigten messias oder gesandten glauben. beim loswerden der sünden geht es nicht nur um vergangene. es stellt sich die frage: was braucht es, damit die klimabelastung relevant reduziert werden kann, um in einer pandemie leben zu können und zukünftige abzuwenden?

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