Beitragslink

4

(A)theismus

Foto: (A)theismus
Theist:in (blau) und Atheist:in (rot).

Gibt es eigentlich atheistische Kirchgemeinden?

Als Atheisten gelten Menschen, die ihre Vorstellung von Gott und die Welt, in der sie leben, nicht zusammenbringen. Viele stellen sich Gott als Inbegriff des Guten vor, können sich auf Grund ihrer alltäglichen Erfahrungen nicht vorstellen, dass so eine Art Gott in der Welt Einfluss hat. Sie verbannen Gott deshalb in das Reich der Fantasie.

Was in Kirchenkreisen gemeinhin oft als „Glaube“ bezeichnet wird, trennt sich vom Weltlichen ab. Gott wird als unerreichbar im Himmel vorgestellt, das Leben wird auf nach dem Tod in eine in wunderbaren Farben vorgestellte geistige Welt bei Gott verschoben.

So sehe ich keinen allzugrossen Unterschied zwischen „Atheisten“ und sogenannt „Gläubigen“. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich auch atheistische Kirchenkreise formieren, die Gott als schöne Fantasie betrachten, die kaum etwas mit der Welt zu tun hat.

Ich sehe keinen allzugrossen Unterschied zwischen „Atheisten“ und sogenannt „Gläubigen“.

Bloss halte ich beides für verfehlt. Seit mir als Teenager in einem Cevi-Kurs ein „gläubiger“ Leiter gesagt hat, es könne nicht sein, dass ich Gott immer spüre, spüre ich an dieser Art zu glauben, wenig Lebendiges.
Es mutet mich eher an wie ein Klammern an Bruchstücke eines zerbrochenen Schiffes, das man aber nicht zusammenzufügen wagt, weil man sonst seine eigene Schwimmhilfe verlieren könnte.

Egal, was Theisten und Atheisten behaupten mögen. Gott ist für mich überraschend und liebevoll, verletzlich, aber unendlich ausdauernd in der Welt spürbar, und begegnet mir täglich. Gott berührt mich auch in Momenten und an Orten, wo ich nicht damit rechne.

 


Bildlegende: Theisten (links) glauben an einen transzendenten, von der Welt getrennten Gott, der nur sporadisch von aussen auf die Welt einwirkt. Atheisten (rechts) denken, dass Gott ein reines Gedankengebilde ist, das nichts mit der erlebbaren Welt zu tun hat.

Diesen Beitrag finde ich...
  • spannend (1)
  • berührend (0)
  • lustig (0)
  • nachdenklich (1)
  • wichtig (2)
  • fragwürdig (0)
  • langweilig (0)

Verfasst von Simon Pfeiffer

Als ehemaliger Gemeindepfarrer auf der Fachstelle Pädagogisches Handeln, als miterziehender Vater in Teilzeitanstellung, als christlich geprägter Theologe mit Islamwissenschaftsstudium und Germanist mit Vorliebe für Mittelalter, Krimis und Fantasy lese und höre ich vielerlei. Gerne erprobe ich neues Wissen im Dialog. Und sehr gerne denke und spüre ich über Grenzen hinweg. Ich arbeite mit in der Arbeitsgruppe 1 "Inhalt und Botschaft".

4 Kommentare

  1. „was in kirchenkreisen gemeinhin oft als ‚glaube‘ bezeichnet wird, trennt sich vom weltlichen ab.“ „gemeinhin“, dh im allgemeinen, geht nicht zusammen mit „oft“. beide worte würde ich durch „manchmal“ ersetzen. die, welche „das leben auf nach dem tod“ verschieben, sind nicht deshalb theisten, sondern weil sie dieses verschobene leben als „bei gott“ verstehen. umgekehrt sind in meinen augen auch Sie, herr pfeiffer, ein theist, weil Sie das, was für Sie in der welt spürbar ist, Ihnen begegnet und Sie berührt, gott nennen. „ich bin, wer ich bin“, manchmal da und manchmal nicht da. darin vielleicht etwas wahres in dem, was der cevi-leiter sagte. atheismus könnte ich mir vorstellen als freie beziehung zum theismus, lebendigkeit als in verschiedenen stückwerken leben können, als fahren in verschiedenen aus verschiedenen spanten gebauten schiffen. „gemeinhin“ sagen wir mit hebr 1: „nachdem gott vor zeiten zu vielen malen und auf vielerlei weise zu den vätern geredet hat durch die propheten, hat er am ende dieser tage zu uns geredet durch den sohn.“ und anderswo ist es mit andern worten ähnlich. paulus wiederum ist ein theist, weil er die vereinigung von allem gott nennt. der schreibende im dargelegten sinne atheist, weil ich sage, das kann man oder auch nicht, je nachdem wie sie sich offenbart. (ex 3.14, 1kor 13.9-12, 15.28)

  2. Wie viel hat Gott mit der Welt zu tun? –
    Ein prickelndes, heisses Thema, über das Menschen schon oft [seit je?] stritten –
    Erstaunt las ich (in einem Buch von Elaine Pagels), dass es bereits im Frühchristentum Grabenkämpfe gab zwischen Anhängern der Gnosis / gnostischen Spiritualität (d.h. dem Glauben, dass Menschen das Göttliche im Leben erfahren können) & denjenigen, welchen das zu unheimlich / gefährlich war – wenn jede:r von eigenen Gotteserfahrungen berichten kann, wer kann dann noch unterscheiden, welche ‚echt‘ & welche erfunden/ fabriziert (‚fake‘) sind (?!)
    Da kommt die grosse Herausforderung einer sich formierenden Glaubensgemeinschaft ins Spiel & damit die Frage: wie lässt sich erkennen, ob jmd ein ‚echte‘ Anhängerschaft lebt, oder nicht?
    Und es kommt der Kontrollwunsch der Leitungspersonen der Gemeinschaft ins Spiel: wir wollen bestimmen (können), ob jmd zugehörig ist – & das wiederum funktioniert nur via äussere, überprüfbare Zeichen oder Worte, zB ein fix formuliertes ‚Credo‘ – und ab dem Punkt wird dann ‚Orthodoxie‘ (Rechtgläubigkeit) scharf getrennt von (vermutetem) ‚Irrglauben‘ & es werden Leute drauf angesetzt, Irrgläubige von ihrem Weg abzubringen, oder auszugrenzen, oder – wenn als allzu gefährlich eingestuft – umzubringen, wie zB geschehen mit den Wiedertäufern im jungreformatorischen Zürich, mit Johannes Hus nach dem Konzil von Konstanz & vielen anderen.
    Befreiend könnte folgendes wirken:
    *das Jesuswort: „Habt keine Angst!“
    *das Einsickernlassen dieses Wortes, & damit verbunden die gegenseitige Ermächtigung (& innere Freiheit), anders sein zu dürfen & einander ‚wunderbar anders‘ sein & gelten zu lassen
    *und dies alles verbunden mit der Ehrfurcht (=wertschätzendes Staunen) über das Wunder des Lebens, seiner Vielfalt, & dass wir alle Teil & Zeugnis dieser Vielfalt sind & damit je eine Facette des Göttlichen zu verkörpern berufen sind 🙂
    Das Spannungsfeld religiöser Org. bleibt bestehen: Hüter des (spirituellen) Feuers auf der einen Seite (über-menschliche, transzendente Inspiration) & eine Institution mit Hierarchie & Macht, wo das Menschliche (& Allzumenschliche) unweigerlich hineinspielen (!)
    Danke für den Gedankenanstoss 🙂

    • Spannend, wie Sie meine Gedanken weiterführen. Dem Jesuswort „Habt keine Angst!“ würde ich die Worte aus dem Dornbusch beifügen, nach Guter Nachricht „Ich bin da.“ Gerade das in Kontakt Treten und Kontakt aufrecht Erhalten trotz vielleicht gegenteiliger Ansichten und Gedanken scheint mir zentral, um in dieser Frage einen Schritt weiter zu kommen.
      Menschen, die Gott in ihrem Leben erfahren, werden nie deckungsgleiche Aussagen machen. Aber sie können sich sehr wohl verrennen, wenn sie meinen, das sei jetzt alles. Kontrollieren können wir das nicht, aber wir könnten gemeinsam rudern auf den Wellen, die das wirft.

      • [..] „gemeinsam rudern auf den Wellen, die das *) wirft“, statt sich verrennen & meinen, die eigene Erfahrung sei bereits alles
        —>das Bild vom gemeinsamen Rudern spricht mich sehr an, u.a. weil ich das Wasser liebe 🙂
        Danke für dieses inspirierende Bild 🙂

        *) Austauschen von Gotteserfahrungen

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie sämtliche mit * markierten Pflichtfelder aus.