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Ein nicht erkanntes Geschenk

Foto: Ein nicht erkanntes Geschenk

Kennen Sie die Situation auch, dass Sie jemandem ein kostbares und tolles  Geschenk machen und die beschenkte Person packt das Geschenk aus und die Freude und Begeisterung der beschenkten Person hält sich in Grenzen?

Vor einigen Wochen ist uns das in einem Trainerteam bei einem Seminar so ergangen, als wir einer jugendlichen Teilnehmerin, die Geburtstag hatte, ein wertvolles Geschenk in Form eines Gutscheins vom Säntispark in St. Gallen überreichten. Die Teilnehmerin öffnete den Umschlag und sah darauf, machte grosse Augen und bewegte den Kopf hin und her und verzog das Gesicht ganz komisch und formte dazu eine Grimasse und war sichtlich über unser Geschenk enttäuscht.

Wir schauten uns an und waren alle peinlich berührt.

Ich vermutete, dass die Beschenkte gar nicht begriffen und erkannt hatte, was für ein Geschenk sie in Händen hielt.

Später in der Pause erklärten wir ihr was dieses Geschenk alles beinhaltete und was sie durch diesen Gutschein alles machen kann. Darauf erhellte sich ihr Gesicht und sie sagte, als sie auf einmal begriff, was dieses Geschenk beinhaltete und für einen Wert hatte: „Oh. Das find ich toll“.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es mir und auch vielen anderen Menschen beim Geschenk, welches uns mit der Weihnachtsgeschichte geschenkt wurde, auch so ergeht.

Immer wieder gibt es Umfragen zur Weihnachtszeit, welche Bedeutung Weihnachten für die verschiedenen Menschen hat und bedeutet. Die häufigsten Antworten sind:

  • Weihnachten ist für mich ein Familienfest.
  • Weihnachten ist das Fest der Liebe.
  • Weihnachten ist das Fest des Friedens.
  • Weihnachten ist eine besondere Stimmung mit Schneelandschaft, Glühwein, Weihnachtsmarkt, Lichter und Weihnachtsbaum.
  • Weihnacht ist ein grosses Geschäft.

Rolf Zuckowski, ein guter Kinder Liedermacher fragt in einem seiner Lieder auch:

„Weihnacht was bist du? Bist du Kerzen und Schnee?
Oder nur ein Seemann, der allein ist auf See?
Weihnacht was bist du? Bist du Hoffnung der Welt?
Oder bist du einfach das ganz grosse Geld?“

Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel, wie sie in den Evangelien von Matthäus und Lukas uns überliefert sind und die dazugehörigen Textmotive des Alten und Neuen Testaments, legen uns unglaubliches dar.

Weihnachten ist demnach nicht nur eine besondere Stimmung, nicht nur ein grosses Geschäft, nicht nur ein Fest der Familie und des Friedens, sondern noch viel – viel mehr.

An Weihnachten kam Gott selber zu den Menschen. In der Weihnachtsgeschichte bedient sich Gott Menschen um den auf die Welt zu bringen, der von sich selber sagt: Ich bin das Licht der Welt. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Allein diese Tatsache, dass Gott zum Gelingen der Weihnachtsgeschichte auch Menschen mit einbezieht zeigt schon, wie unglaublich nahe Gott sich mit uns Menschen verbindet.

In jedem Satz, in jedem Bild, in jedem Motiv, in jeder Menschengruppe der Weihnachtsgeschichte stecken unglaubliche Aussagen, die, würden wir sie ausformulieren, ganze Bücher füllen würden.

Immer wieder merke ich, wenn ich die Weihnachtsgeschichte höre oder lese oder mich mit ihr beschäftige, dass ich ganz vieles manchmal nicht begreife und das grosse Geheimnis von der Menschwerdung Gottes nicht richtig verstehe.

Wie ein kostbares Geschenk, dessen Kostbarkeit ich auf den ersten Blick nicht erkennen oder begreifen kann.

Der oben erwähnte Rolf Zuckowski sagt am Ende seines Liedes:

„Weihnacht….Weisst du viele Menschen brauchen dich so sehr, mancher, weiss es selbst noch nicht und fühlt es umso mehr.“

Ich wünsche uns allen, dass wir in dieser Advents und Weihnachtszeit das was wir in uns spüren erkennen können und begreifen, was für ein Geschenkt Weihnachten ist.

 

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1 Kommentar

  1. „ich bin das licht der welt. niemand kommt zum vater, es sei denn durch mich.“ wer seinen vater verloren oder nie gekannt hat, hat und kennt doch einen vater. wie ist es aber mit dem, der seine freundin verloren hat oder, wie man sagt, „keine hat“? lässt das hohe lied – „schön bist du, meine freundin“, angenommen es stimmt, dass sie ebenbildlich ist – nicht einen rückschluss zu? von jesus auch hier der grundsatz: was ihr nicht habt, habt ihr hundertfach. (mk 10.30) er hat es aber nicht ausgeführt. gerade johannes, der jesus, wie eingangs zitiert, versteht, versteht ihn auch so: „ihr werdet grössere werke tun als ich. der geist wird euch in die ganze wahrheit leiten.“ gerade in einer pandemie oder wenn wir die co2-emission reduzieren wollen, haben wir nicht alles, was wir anders gerne noch gerade nähmen. dass jesus sein wort vom hundertfachen haben dessen, was wir nicht haben, nicht ausgeführt hat, und dass es in der tradition nicht verstanden, vielmehr überhört worden ist, ist ursache unserer zeitprobleme wie klimawandel, pandemie und auch des sexuellen missbrauchs. „ein nicht erkanntes geschenk“, dessen nicht-erkennen einschenkt und durch dessen erkennnen wir uns vieles schenken könnten. jesus stimmt in seinem wort mit seinem 500 jahre älteren vorgänger buddha überein, auf den zurückgehend gesagt wird: alle haben buddhanatur, und in ihr ist alles enthalten. was auch auf eine vollständigere ausführung wartet. paulus bringt die sache auf den punkt: unser erkennen, auch unsere christuserkenntnis und wohl auch, was jesus erkannt hat, ist stückwerk. wenn das, soweit das, würde ich sagen, das vollkommene kommt, wird das stückwerk abgetan. (1kor 13.9-12). „alles in allem“ (15.28) heisst dann eben nicht zuletzt, dass in allem alles ist – was unsere trauer in freude wandelt und uns von unseren überzogenen ansprüchen heilt. keine zahl hat so viel bodenberührung wie die 2. sie gleicht auch einer ente, die auf dem wasser daherkommt, und eröffnet durch die erde hindurch die grosse erleuchtung, von der das eingangs erwähnte licht eine teilerscheinung ist, die, vielleicht tatsächlich anders als alle andern lichter, zum vater führt, zum verstand, der aber wiederum nicht das einzige ist, was ein gelingendes leben ausmacht. in diesem sinne schöne weihnachten und ein gutes 2022.

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