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Fünf Gottesdienste, viele Stimmen – ein Licht!

Image by krystianwin from Pixabay; Bild der Verklärung Christi

Am Aargauer Kirchenfest wird die Vielfalt des reformierten Glaubens mit fünf unterschiedlichen Gottesdiensten gefeiert: mit einem Schlager-Gottesdienst, einem Worship-Gottesdienst, einem Pilger-Gottesdienst, einem klassischen Orgel-Gottesdienst und einer spirituellen Feier mit Kakao. Verschiedene Formen mit einem gemeinsamen Zentrum: dem Evangelium.

Alle Gottesdienste greifen den Bibeltext der Verklärung Jesu (Mk 9,2–9; Lk 9,28–36; Mt 17,1–9) auf. Wie in den drei Evangelien werden auch in den Kirchenfest-Gottesdiensten unterschiedliche Stimmen hörbar und verschiedene Facetten sichtbar. Wie die Jünger auf dem Berg Christus in neuem Licht erkannten, so soll dieses Licht in den unterschiedlichen Gottesdienstformen leuchten. Wir feiern in verschiedenen Formen und sind doch eins in Christus.

Der klassische Orgel-Gottesdienst wird am Sonntag, 14. September, ab 10.30 Uhr im Livestream auf YouTube übertragen.

Im folgenden Blogbeitrag beschreiben die Pfarrpersonen, welche Aspekte des Bibeltextest sie bei der Vorbereitung der Gottesdienste besonders angesprochen haben. Schon beim Lesen des Textes und bei der Vorbereitung der Predigt haben alle ihre eigenen Methoden:

  • Pfarrer Markus Opitz liest die jeweiligen Predigttexte im Voraus, trägt ihn in den kommenden Tagen mit sich, lässt sich von Alltagssituationen, Gespräche, Kommentaren und anderen Predigten inspirieren.
  • Pfarrehepaar Christine Straberg und Thorsten Bunz brainstormen zu Zweit nach dem Lesen des Textes. Mit einem Bibliolog und einer kurzen Bibel-Arbeit in der Kirchenpflege wird auch die Gemeinde einbezogen.
  • Pfarrer Dominik Fröhlich-Walker liest und meditiert den Text, bevor er ihn in der Ursprache und mithilfe von zwei Bibelkommentaren analysiert, gemeinsam mit dem Gottesdienst-Team bespricht und bei der Begehung des Pilgerwegs im Gelände weiterwirken lässt.
  • Pfarrerin Irina Schweighoffer-van Bürck liest den Text in verschiedenen Übersetzungen, trägt ihn mit sich und notiert ihre Gedanken. Im Dialog mit einer Pfarrkollegin kommen dann neue Inspirationen hinzu.

Worship-Gottesdienst am Kirchenfest: eine Auszeit vom Alltag

Für Pfarrer Markus Opitz, der am Kirchenfest den Worship Gottesdienst leiten wird, sind Gottesdienste – fast wie Ferien – eine kleine Auszeit vom Alltag. Eine Auszeit mit Gott. Er fasst seine Gedanken zum Bibeltext zusammen:
«Für mich ist diese Geschichte vom ‹Berg der Verklärung› eine hoffnungsvolle Auszeit vom Alltag. Die Jünger sind mit Jesus unterwegs, zwei von ihnen, Petrus und Johannes dürfen mit Jesus auf den Berg steigen. Weg vom Alltag, weg von den Kollegen. Sie machen sich bewusst auf den Weg – und begegnen Gott auf dem Berg. Was sind meine Berge, auf denen ich am liebsten bleiben würde, weil alles perfekt ist? Wo gibt es in meinem Alltag diese Begegnungen mit Gott? Und was nehme ich mit, wenn der Abstieg in den Alltag bevorsteht? Meine persönlichen ‹Wanderungen auf den Berg› sind zum Beispiel die Gottesdienste, bei denen ich nur Gast bin, kein Liturg. Eine Stunde Gott begegnen, weit weg vom Alltag und dann im besten Fall gestärkt und ermutigt wieder zurück in die Woche. Es gibt auch andere Berge, z.B. tolle Gespräche mit Menschen, Spaziergänge oder Texte, die ein Aha-Erlebnis mit sich bringen. Kleine und grössere Momente, in denen ich spüre, wie sehr Gott mich liebt (‹Das ist mein lieber Sohn, …›; Mk 9,7), Gemeinschaft erlebbar wird (‹Und es erschien ihnen Elia mit Mose, und sie redeten mit Jesus›, Mk 9,4) oder neue Eindrücke entstehen (‹…bis der Menschensohn auferstünde von den Toten.›; Mk 9,9).»

Schlager-Gottesdienst am Kirchenfest: die Sehnsucht festhalten

Für Pfarrehepaar Christine Straberg und Thorsten Bunz, die gemeinsam den Schlager-Gottesdienst am Kirchenfest leiten werden, steht Musik – und insbesondere Schlager – für den Ausdruck von Sehnsucht, Gemeinschaft und Geheimnis. Diese Aspekte lassen sich auch im Bibeltext finden:
«Verklärt – unbegreiflich – besonders – wunderbar: Petrus möchte dies für immer festhalten, manifestieren. Er möchte dort ‹bauen›. Jesus geht mit drei Jüngern auf den Berg und trifft dort zwei weitere Personen. Auch diese Gemeinschaft soll festgehalten werden. Petrus will für alle drei ‹bauen›. Ein Sehnsuchtsort, flüchtig und verklärt, ist ein Ort, an dem man bleiben möchte. Und ein Ort, von dem man ‹wieder unten› nicht reden kann (Mk, 9,9). Die Gemeinschaft ist in etwas Geheimnisvollem gegründet.»

Pilger-Gottesdienst am Kirchenfest: einen geistlichen Weg gehen

Für Pfarrer Dominik Fröhlich-Walker, der am Kirchenfest den Pilgergottesdienst leiten wird, kann die Verklärungsgeschichte auch als Pilgerbericht erzählt werden, denn es passiert einiges, was für einen geistlichen (Pilger-)Weg typisch ist und sich biografisch im menschlichen Leben immer wieder ereignet. Bei der Vorbereitung beschäftigten ihn diese Fragen:
«Jesus betet und dann beginnt er hell zu leuchten. Ich fragte mich: Kann uns das Gebet so verändern und unser Wesen ‹aufhellen›?
Dann hat mich der Berg Tabor beschäftigt, weil ich schon mehrmals auf diesem Berg in Israel war. Ich stellte mir die Szene bildhaft vor: Jesus, die Jünger, der Aufstieg auf den Tabor…. Meine Gedanken kreisten auch um das biblische Motiv des ‹Sehens und doch nicht Sehens›, des ‹Hörens und doch nicht Hörens›. Vor allem Propheten sprechen davon. Der Jünger Petrus sieht, aber er versteht nicht. Er will Hütten bauen und den schönen Moment konservieren. Das ist so menschlich gedacht. Was braucht es, damit wir Menschen in der Tiefe verstehen?
Mühe gemacht hat mir der Schlaf der Jünger. Da erblicken sie den strahlenden Christus und schlafen ein. Warum? Was ist das für ein ‹Schlaf›?»

Klassischer Orgel-Gottesdienst am Kirchenfest: eine Hütte für die Kirche bauen

Für Pfarrerin Irina Schweighoffer-van Bürck, die den klassischen Gottesdienst am Kirchenfest leiten wird, steht das Bild vom Bau der drei Hütten im Zentrum:
«Es werden im Text drei Hütten gebaut. Wir versuchen, Kirchen zu bauen und Gemeinde zu sein, indem wir uns in eine lange Tradition stellen. Trotzdem bauen wir auch immer wieder das ‹Unsrige› dazu. Welches Haus soll schlussendlich entstehen? An welcher Kirche wollen wir bauen? Wo sind wir bereit, uns in das Bauen der Kirche einzugeben?»

Spirituelle Feier mit Kakao: Christus mit allen Sinnen erfahren

Pfarrerin Corinne Dobler, die am Kirchenfest die spirituelle Feier mit Kakao leiten wird, steht das sinnliche Erleben im Zentrum:
«Die Verklärung Jesu – der Moment, in dem sein Gesicht wie die Sonne leuchtet: Die Jünger erleben eine tiefgreifende Bestätigung seines göttlichen Wesens, eingebettet in eine sinnliche und transformierende Erfahrung. Unser Glaube soll nicht nur gedacht, sondern mit dem ganzen Körper und allen Sinnen gefeiert werden: durch Bewegung (Tanzen), Hören, Singen, Schmecken (Kakao trinken) und Fühlen (Segnung). Das Schönste, was geschehen kann, ist, dass wir Christus mit allen Sinnen erfahren – und uns zugleich als seine lebendige Gemeinschaft erleben.»

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Eingestellt von Informationsdienst der Landeskirche

Der Informationsdienst der Landeskirche, Claudia Daniel-Siebenmann und Barbara Laurent, leiten und administrieren den Blog der Reformierten Landeskirche Aargau.

2 Kommentare

  1. nur e i n e geschichte empfand ich schon immer als, wie ich es formulierte, „zu dünn“. meine news, in diesem moment good news, berichten mir eben, buddha sei unter einem baum zur erleuchtung gekommen. das veranlasst mich, was hier „verklärung“ genannt wird, zur erfahrung der erleuchtung in der geschichte der religionen und nicht-religionen in beziehung zu setzen. immer, wenn ich hörte, dass jesus auferweckt worden sei, sah ich etwas vor mir. „was ist das?“ fragte ich mich vor jahren. „die nacht, die die sterne erleuchtet“, kam ich auf die antwort. „dass jesus auferweckt worden ist, heisst, dass er erleuchtet worden ist.“ wie buddha, befand ich mich, als ich, nicht ohne weiteres vergleichbar, vor bald einem halben jahrhundert die ehre hatte, zur erleuchtung zu kommen, nicht auf einem berg, sondern im ziemlich gewöhnlichen alltag. es ging nämlich darum, auf einer hochzeit eine produktion durchzugeben, nach der die braut gefragt hatte: etwas, was ich nicht kann, dank dieser erfahrung aber konnte, und zwar so, dass ich mich bis heute daran erinnere, als wäre es gestern gewesen. dann die unterredung mit andern im garten. auf dem boden angekommen. auf einem berg insofern, als ich etwas unangenehmes, das jemand machte, nicht von oben herab, aber ein bisschen von obern her anschauen konnte, aber auch von unten, auf gleicher ebene, die betreffende person in ihrer geschichte verstehen. . . so wie die erleuchtung, in der wir leben, unsere herkunft, nicht nur oben ist, sondern auch unten, rundherum, unsere mitleuchtende planetin zu ihr gehördend, von ihr durchdrungen. elia erscheint in der geschichte der verklärung jesu als der, der alles zurechtbringt. was heisst das aber? andrea dechant schreibt (unter „artedea ascherah“ erreichbar): „galt der geschlechtsakt von ascherah und baal noch als ganz selbstverständlich, ja notwendig, um das wachstum der pflanzen und die fruchtbarkeit der tiere anzuregen, so bemühten sich die propheten von jahwe, die göttin immer mehr als ‚hure‘ zu verdammen. . . elia schlachtete alle baalspropheten eigenhändig. (1. könige 18)“ aschera war mal mit baal zusammen und dann eben auch mit jahwe. was wir hier sehen, ist die schattenseite des patriarchalen monotheismus: umwelt- und klimafeindliches verhalten und asozial bis zum sexuellen missbrauch. jesus begann zwar mit der emanzipation, war aber nicht einfach emanzipiert. die bergerfahrung entsteht dadurch, dass das oberste bewusstseinszentrum aufgeht. zugleich aber eine talerfahrung, weil das unterste mit dem obersten auf einem kreis liegt. im tal auf dem berg, zuhause am meeresstrand. der anfang der erfahrung des lebens als mehr als raum und zeit: nichts nur an einem ort und zu einer zeit. alles immer überall. umwelt- und klimafreundlich. weiss noch nicht, ob ich, von recht weit her, dabei sein kann, werde aber auf jeden fall dabei sein. eine zweite existentielle wahrheit: es kommt darauf an, dass nicht alle meinen, sie könnten gerade so gut zuhause bleiben.

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