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Irgendwie anders

Foto: Irgendwie anders

Du bist irgendwie anders! Du gehörst nicht zu uns!“ hört ein kleines pelziges Wesen von seinen Kollegen, von Hasen, Giraffen, Kranichen und anderen klar identifizierbaren Tieren. Das Wesen ist nicht eindeutig identifizierbar, etwas pelzig, grosse Hundeaugen, und es isst in der Pause einen grünen Schleim aus einer Papiertüte. Es gibt sich grosse Mühe, so zu sein wie die anderen, schafft es aber nicht ganz.
Im Bilderbuch Irgendwie Anders nimmt die Geschichte des Pelzwesens ein hoffnungsvolles Ende.

In Schulklassen kommt es vor, dass einzelne ausgeschlossen werden. Lehrpersonen sollten sich dann Zeit nehmen und das in einem gruppendynamischen Prozess aufarbeiten. In kirchlichen Gruppen kommt es vor, dass diese relativ einheitlich zusammengesetzt sind. An Menschen, die irgendwie anders sind, wird gar nicht gedacht. Zum Beispiel sind Elternabende oft so angesetzt, dass sie für Alleinerziehende nur schwierig wahrzunehmen sind. Sonntagmorgenfeiern sind selten so gestaltet, dass Menschen ohne viel Training im Zuhören viel verstehen und mitnehmen können. Wenn Informationsbriefe verschickt werden, sind diese häufig so wortreich, dass sie für Fremdsprachige und Leseschwache kaum verständlich sind. Und Formulare für die Trauung sind vielerorts noch so aufgesetzt, dass es einen Bräutigam und eine Braut dafür braucht.

Das alles können wir ändern. Wenn wir auch Menschen dazu nehmen, die irgendwie anders sind, könnten wir gewinnen. Vielfalt gewinnen. Menschen gewinnen.

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Verfasst von Simon Pfeiffer

Als ehemaliger Gemeindepfarrer auf der Fachstelle Pädagogisches Handeln, als miterziehender Vater in Teilzeitanstellung, als christlich geprägter Theologe mit Islamwissenschaftsstudium und Germanist mit Vorliebe für Mittelalter, Krimis und Fantasy lese und höre ich vielerlei. Gerne erprobe ich neues Wissen im Dialog. Und sehr gerne denke und spüre ich über Grenzen hinweg. Ich arbeite mit in der Arbeitsgruppe 1 "Inhalt und Botschaft".

1 Kommentar

  1. andere anerkennen heisst auch die anerkennen, die etwas tun, was uns nicht gefällt, was uns ganz und gar nicht gefällt. das heisst nicht, dass wir mit allen gleich nah zusammenleben. aber ob fern oder nah, dass wir sie unterschieden, unabhängig von dem, was sie tun, anerkennen. das verbirgt sich in dem wort rechtfertigung. da das nicht leicht ist, geschieht die rechtfertigung durch den tod von christus. soweit wir mit ihm gestorben sind, können wir das. sterben erweist sich als alternative zum töten. unter dem titel „der weltkirchenrat muss jetzt haltung zeigen“ berichtet ref.ch von der forderung, die russisch-orthodoxen kirche aus dem weltkirchenrat auszuschliessen. ich fühle mich nicht zu solchen entscheidungen berufen, sondern zur darlegung des dogmatischen hintergrunds: „haltung“, latein habitus, von habere, haben, ist ein ausdruck der katholischen theologie. es geht darum, dass dem menschen die gnade eingegossen wird, so dass er zu einem habitus kommt, weil er die gnade in sich hat. „eingegossen“ sagt das neue testament nicht, sondern „ausgegossen“. haltung, von haben, festhalten, ist etwas, was durch das ereignis der offenbarung durchbrochen werden kann. buddha starb während des lebens und erwachte. 1983 war ich auf einem zen-sesshin bei einem buddhistischen meister mit der frage: gibt es auch im buddhismus rechtfertigung? nachhause kam ich mit der antwort: ja. wie er sprach, und die unglaubliche bejahung, die von ihm ausging. solche inhalte herauszuarbeiten, zu verstehen und verständlich zu machen, wäre ein grundlegender beitrag zum finden von antworten, die auskommen, ohne zu töten und körperlich und seelisch zu traumatisieren – und ohne exklusion.

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