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Kinder können’s!

Foto: Kinder können’s!

Ihr Baby kann’s!  lautet der Buchtitel eines Schlagers der Erziehungsliteratur. Von Kindergärten und Schulen hört man aber, dass viele Kinder Grundlegendes nicht können – wie Umgang mit Scheren, Balancieren auf einem Ast oder Schnitzen mit dem Sackmesser.

Wer hat recht? Für mich spiegelt sich da eine Haltungsfrage. Ich erlebe, dass ein Fünfjähriger sich selber mit einem Müesli verpflegen kann, wenn er Hunger hat, dass eine Elfjährige selber an der Nähmaschine Taschen und Kissenanzüge näht, dass ein Siebenjähriger sich Karotten schält, und dass eine Achtjährige sich selber auf dem Kochherd Schokolade schmilzt.

Entscheidend ist, dass Kinder Freiräume bekommen, in denen sie selber für ihre Bedürfnisse Verantwortung übernehmen können. Der Fünfjährige kann sein Hungergefühl sehr genau einschätzen und gegebenenfalls verantwortlich handeln.
Wichtig ist ein gewisses Risiko, wo für alle Fälle ein Erwachsenes beigezogen werden könnte, etwa wenn es plötzlich verbrennt riecht oder Blut spritzt. Das Kind entscheidet aber meistens selber, wann es ihm zu gefährlich wird, oder ab wann es Hilfe braucht.

Vieles müssen Kinder nicht beigebracht bekommen, sondern sie schauen es irgendwo ab, oder entdecken es selbst. Aus Fehlern lernen sie spielerisch. Ihnen den Freiraum dafür zu gewähren braucht Mut und einen Vorschuss an Vertrauen.

Diesen Mut dürfen wir im kirchlichen Umgang mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen, vermehrt aufbringen.
Was trauen wir Kindern zu? Und Grossen?

 

 

 

 

 

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Verfasst von Simon Pfeiffer

Als ehemaliger Gemeindepfarrer auf der Fachstelle Pädagogisches Handeln, als miterziehender Vater in Teilzeitanstellung, als christlich geprägter Theologe mit Islamwissenschaftsstudium und Germanist mit Vorliebe für Mittelalter, Krimis und Fantasy lese und höre ich vielerlei. Gerne erprobe ich neues Wissen im Dialog. Und sehr gerne denke und spüre ich über Grenzen hinweg. Ich arbeite mit in der Arbeitsgruppe 1 "Inhalt und Botschaft".

1 Kommentar

  1. kinder spielen im garten mit nichts. manchmal sehe ich sie, meistens höckne ich aber in meditatione, höre und denke: „wenn ihr nicht werdet wie die kinder, werdet ihr nicht zu einem vernünftigen verhältnis zu umgebung, umwelt und klima kommen.“ sie kommen auf mich zu, kennen mich vom internet, improvisationstanz. auch etwas, was nichts zusätzliches braucht. kinder sprechen sehr gut an auf bewegung. und tatsächlich: ein wuderbarer tanz. die eine, ohnehin meisterin der bewegungskunst – wie sie mit dem ball jongliert, ihn immer wieder in die luft schuttet, ohne dass er je auf den boden fällt, und dann noch lässig rüberschauen, ob ich zuschaue – , die andere: die freude an der sache zaubert ein ruhiges lachen in ihr gesicht. mit dem philosophen hegel gesagt: was die kinder im „an sich“ können, können wir im „für sich“ nicht mehr, aber im „an und für sich“ wieder.

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