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Kirche für KOVI

Anlässlich der Sommersynode vom 5. Juni stand ein Postulat zur Debatte, das den Beitritt unserer Landeskirche zur Unterstützungsplattform «Kirche für KOVI» forderte. Auf dieser Online- Plattform bringen Kirchen und kirchliche Organisationen ihre Unterstützung für die Konzernverantwortungsinitiative zum Ausdruck. In meinem Eintrittsvotum drückte ich die Sympathie des Kirchenrats für das Anliegen aus, argumentierte aber nicht weiter, weil ich davon ausging, dass dem Anliegen auch aus der Synode viel Sympathie entgegengebracht würde. Ich war dann erstaunt, wie heftig und emotional die Diskussion auf beiden Seiten geführt wurde. Das Ergebnis der Abstimmung war eindeutig: das Postulat wurde nicht überwiesen. Die Bedenken dagegen überwogen.

Un- und Missverständnis
Obwohl es inhaltlich nur um die Frage ging, ob wir der Unterstützungsplattform beitreten sollen oder nicht, wurde die Entscheidung der Synode so verstanden, und in Leserbriefen der Aargauer Zeitung und ans A+O (siehe Seite 3) entsprechend kommentiert, dass sich unsere Kirche auf die Seite der Konzerne stelle und die Interessen des Kapitals über diejenigen der Menschen setze. Ich erhielt kritische bis erboste Mails und von Unverständnis am Kirchenrat geprägte Kirchenaustrittschreiben wurden mir zur Kenntnis geschickt. Es macht mich betroffen, welche Dynamik sich in dieser Sache entwickelt hat. Viele Missverständnisse sind entstanden. Zum Beispiel dasjenige, dass unsere Kirche nun für Grosskonzerne Partei ergreife, die nicht bereit seien, Menschenrechte und Umweltstandards einzuhalten. Das trifft so wenig zu, wie das Missverständnis, dass mit den Anliegen der Konzernverantwortungsinitiative eine pauschale Verurteilung international tätiger Unternehmen verbunden sei.
Vielmehr ist es einerseits so, dass sich unsere Kirche weiterhin über ihre Werke und Missionen weltweit für die Würde, die Selbstbestimmung und die Rechte der Menschen einsetzt. Zum Beispiel im rohstoffreichen Kongo, wo sich HEKS und Mission 21 für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung, die Bekämpfung von Armut und Gewalt und für nachhaltige Entwicklung engagieren.
Und andererseits ist es so, dass viele Schweizer Unternehmen durchaus bereit sind, weit über die minimalen Vorschriften hinaus – auch in Ländern des Südens – hohe Standards in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsrechte und Umwelt einzuhalten.

Vom richtigen Weg
In der Synode habe ich ausschliesslich Voten gehört, die sich dahingehend äusserten, dass Schweizer Unternehmen selbstverständlich weltweit hohe Standards einhalten sollten. Uneinig war man sich in der Frage, ob die Initiative der richtige Weg sei, ob ihre Anliegen dann wirklich umsetzbar seien und eben, ob ein Beitritt zur Unterstützungsplattform «Kirche für KOVI» angezeigt sei. In diesen Fragen haben sich die Vorbehalte durchgesetzt.

Klar Stellung beziehen
Für mich heisst das: Wir werden uns nun nicht als Kirchenrat offiziell für ein Ja zur Initiative aussprechen. Aber wir werden bei Bedarf differenziert und klar für die Kernanliegen der Initiative Stel-lung beziehen und die Arbeit unserer Werke Brot für alle, HEKS und Mission 21 stärken. Nachhaltige Entwicklung, die Erhaltung der Lebensqualität auf unserem Planeten kann nur gelingen, wenn die Würde, die Rechte und Anliegen aller Menschen respektiert und anerkannt werden. Das gilt auch und gerade für Unternehmen, die unsere Konsumgüter produzieren, in der Schweiz Arbeitsplätze schaffen und Steuern bezahlen. So lange unser Wohlstand anderen Menschen scha-det, können wir als Kirche nicht einfach wegschauen und uns vornehm zurückhalten.

Darin besteht Konsens
Für unsere Synode ist nun offenbar die Unterstützung der Initiative nicht der richtige Weg. Aber der Einsatz für die Entrechteten, für die Armen und für die Opfer von Gewalt gehört seit je her zum Kerngeschäft der Kirche. Darin besteht durchaus ein Konsens. Und daran wird auch in Zukunft keine Initiative und keine politische Debatte etwas ändern.

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4 Kommentare

  1. (…) Das Ergebnis der Abstimmung war eindeutig: das Postulat wurde nicht überwiesen. Die Bedenken dagegen überwogen. (…)
    Das Ergebnis mit 75 zu 39 bei 135 Stimmberechtigten Synodalen war eindeutig. Da kann man noch lange interpretieren und schön reden. Die Mehrheit hat genug von Politik in der Landeskirche und viele Reformierte haben ihr auch darum schon längst den Rücken gekehrt.
    Ein „von Unverständnis am Kirchenrat geprägtes Kirchenaustrittschreiben“ wäre ebenfalls gefolgt – von mir. Gleichermassen wenn die Synode bestimmt hätte, der Unterstützungsplattform «Kirche für KOVI» beizutreten. Genau das hätte bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. In einer Kirche für Alle fühle ich mich wohl. In einer Kirche für Besserchristen und mit einer Hallelujahfraktion der SP will ich nichts zu tun haben.
    Der Kirchenrat hat aus taktischen Gründen das Postulat nicht angenommen, damit eine Debatte stattfindet und er sieht, wie die Synode dazu steht. Jetzt hat sie stattgefunden und die verschiedenen Voten wie auch das Ergebnis zeigen es. Der Ausgang des Diskurses gibt mir Hoffnung und Mut, in der öffentlich-rechtlichen Körperschaft „Reformierte Landeskirche Aargau“ weiter auszuharren.

    • Esther Gisler Fischer 30. Juni 2019 um 22:32 Antworten

      Das Evangelium ist immer politisch und die Plattform ‚Kirche für KoVI‘ ist nicht parteigebunden, sd. wird von zahlreichen Einzelpersonen, kirchlichen Gremien und Institutionen aus der Zivilgesellschaft getragen.

  2. Esther Gisler Fischer 26. Juni 2019 um 21:29 Antworten

    Schwach ist diese Position des Aargauer Kirchenrats ind der Synode!
    Wenn sich nicht die Rahmenbedingungen im Weltsüden ändern lassen, dann ist jegliche Arbeit von HEKS und Mission 21 Plästerlipolitik und deren Unterstützung ein kirchliches Feigenblatt!
    Mission 21 übrigens ist Mitglied der Platzform ‚Kirche für KoVI‘.

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