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Lebensfremd?

Foto: Lebensfremd?

Als Prüfungskandidat ist mir aufgefallen, wie sich die zwei anwesenden Experten im von mir geleiteten Prüfungsgottesdienst verhalten haben: Sie waren konstant über ihre Schreibblöcke gebeugt und haben sich Notizen gemacht.

Was empfinden Sie in einem Gottesdienst als störend?

Das Verhalten der Experten empfand ich damals als störend. Sie waren anwesend und trotzdem Fremdkörper in der Sonntagmorgenfeier. Wenn sie es schon besser wussten, warum haben sie ihr Wissen und ihre Einsichten dann nicht mit der versammelten Gemeinde geteilt?

Seither wünsche ich mir, dass in einer kirchlichen Sonntagmorgenfeier einmal jemand während oder nach der Predigt aufsteht wie die Frau auf dem Bild und so richtig ihre Meinung kund tut. Ich habe schon gehört, in den Niederlanden sei etwas in der Art üblich.

Allzu Schöngeredetes, allzu Glattes, allzu Lebensfremdes bedarf einer Korrekur oder mindestens einer zusätzlichen Perspektive. Wenn solche Störungen bei uns üblich würden, würde ich vermutlich mehr Gottesdienstfeiern besuchen. Vielleicht würde ich sogar selber einmal spontan das Wort ergreifen, was ich bisher nicht tue, um Pfarrkolleginnen oder -kollegen nicht in Verlegenheit zu bringen oder in die Enge zu treiben. Wohl auch, um nicht gesteinigt zu werden.

Störungen haben Vorrang„, ist ein bekannter Satz aus der Themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohn. Störungen gehören zum Leben. Störungen zwingen dazu, klar Position zu beziehen und zu handeln. Störungen könnten manche perfekt durchgestylte und ruhig dahinplätschernde Sonntagsfeier zu einem Fest des Lebens machen.

 

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Verfasst von Simon Pfeiffer

Als ehemaliger Gemeindepfarrer auf der Fachstelle Pädagogisches Handeln, als miterziehender Vater in Teilzeitanstellung, als christlich geprägter Theologe mit Islamwissenschaftsstudium und Germanist mit Vorliebe für Mittelalter, Krimis und Fantasy lese und höre ich vielerlei. Gerne erprobe ich neues Wissen im Dialog. Und sehr gerne denke und spüre ich über Grenzen hinweg. Ich arbeite mit in der Arbeitsgruppe 1 "Inhalt und Botschaft".

2 Kommentare

  1. Konstruktivistisches Denken zieht ein.
    Wie schön, wenn durch Störungen Lernen und Wachstum während Gottesdienstfeiern angeregt werden. Lasst es uns gemeinsam tun: Entwickeln, zelebrieren und gedeihen!

  2. Konstruktivistisches Denken zieht ein.
    Wie schön, wenn durch Störungen Lernen und Wachstum während Gottesdienstfeiern angeregt werden. Lasst es uns gemeinsam tun: Entwickeln, zelebrieren und gedeihen!

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