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„No es Zückerli?“

Foto: „No es Zückerli?“

Neulich wurde ich gefragt, was für Tricks es gebe, um die Aufmerksamkeit der Kinder im kirchlichen Religionsunterricht hochzuhalten, und ob es eine „Zückerlipolitik“ brauche.

Selber habe ich im Pfarramt an Kinder und Jugendliche hie und da Zückerli verteilt, ein Schöggeli zum Znüni, Gummibärchen als Belohnung. Heute würde ich das nicht mehr tun und rate generell eher, kirchliche Angebote ohne „Zückerli“ schmackhaft zu machen.

Zum einen wertet es jede Aktivität ab, wenn ich nur wegen dem „Zückerli“ dabei mitmache, egal ob es tatsächlich Zückerli sind, oder andere Belohnungen.
Was will Kirche? Dass Menschen sich der Jesusbewegung anschliessen, weil sie die Idee dahinter, die Authentizität der Menschen, der grosse Traum von einer friedlichen und gerechten Welt begeistert und beflügelt? Oder dass sie auf den Leim gehen, weil Kirchen die Tricks kennen, die Menschen in Abhängigkeiten treiben?

Es wertet jede Aktivität ab, wenn ich nur wegen dem „Zückerli“ dabei mitmache.

Andererseits ist besonders Fruchtzucker gefährlich. Nicht von Lebensmittelkonzernen finanzierte Studien sind einig, dass Überkonsum und Verharmlosung von Zucker verantwortlich ist für Fettleibigkeit, Diabetes, Gehirnerkrankungen und sogar empathiefreies Verhalten. Zucker macht süchtig und verursacht Gefühlsschwankungen.

Familien, die ihre Kinder zuckerarm gross werden lassen möchten, haben es schwer in einer Gesellschaft, die besondere Leistungen mit Zucker belohnt und 80% der käuflichen Lebensmittel mit Zucker anreichert.

Ich gehe davon aus, dass Kirche den Zucker und sämtliche anderen „Zückerli“ nicht nötig hat.


Ein unabhängiger Artikel zum Zuckerkonsum erschien etwa letztes Jahr in der online-Zeitung Republik (Link). Eindrücklich auch der Dokumentarfilm des Australiers Damon Gameau mit einem Selbstversuch.

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Verfasst von Simon Pfeiffer

Als ehemaliger Gemeindepfarrer auf der Fachstelle Pädagogisches Handeln, als miterziehender Vater in Teilzeitanstellung, als christlich geprägter Theologe mit Islamwissenschaftsstudium und Germanist mit Vorliebe für Mittelalter, Krimis und Fantasy lese und höre ich vielerlei. Gerne erprobe ich neues Wissen im Dialog. Und sehr gerne denke und spüre ich über Grenzen hinweg. Ich arbeite mit in der Arbeitsgruppe 1 "Inhalt und Botschaft".

1 Kommentar

  1. eine kurze recherche ergibt: mit ein bis zwei äpfel pro tag, die ja auch fruchtzucker enthalten, gefährde ich meine gesundheit nicht. „an apple a day keeps the doctor away“ gilt. und der ganz gewöhnliche zucker scheint nicht weniger schädlich zu sein als industriell hergestellte fruchtzuckerprodukte, zb süssgetränke. und doch beginnt es da: die marketingstrategisch ausgewählten apfelsorten enthalten, soviel ich eruieren kann, mehr fruchtzucker als ursorten, wenn auch in der erwähnten menge nicht gesundheitsgefährdend. die oft recht stark apologetische tendenz, die die kirche vor dem untergang retten soll, enthält relativ viel zucker. da auch eine frage an Sie, herr pfeiffer: hat nicht das, was Sie zu „was will die kirche?“ schreiben – idee, authentizität, traum, friedliche und gerechte welt – etwas von einem zückerchen? „alles lassen“, so, sagen Sie sinngemäss, komme die kirchenreform zu stande. das zweite wort ist, finde ich, zu viel. das erste sagt: nicht nur kirche, nicht nur jesus. aber seine geschichte und seine botschaft und beider interpretation vollständig. alles in allem. wahrer und gesunder fruchtsaft vom baum der erkenntnis des lebens. Sie sagen: „ich mache das, was ich kann.“ darum in ordnung. das problem besteht darin, dass nicht andere anderes schreiben. kirchenreform kann nicht in der abschaffung mehr oder weniger aller relevanten theologischen inhalte bestehen. habe übrigens seit jahrzehnten keinen gewöhnlichen zucker oder industriellen fruchtzucker mehr gegessen oder getrunken. prost dann und guten appetit!

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