Beitragslink

2

«Redormierte Kirche»

Beim Anzünden von Kerzen im Advent und an Weihnachten offen sein dafür, dass durch Jesus Gottes Licht in die Welt kommt.
Beim Anzünden von Kerzen im Advent und an Weihnachten offen sein dafür, dass durch Jesus Gottes Licht in die Welt kommt.

Neulich war ich für ein Referat und ein Podiumsgespräch nach Glarus eingeladen. Es ging um die Frage «500 Jahre Reformation – wie weiter?». Diese Frage beschäftigt mich sehr. Als ich an meiner Präsentation für das Referat in Glarus arbeitete, zwinkerte mir plötzlich ein Fehlerteufelchen – oder
war es der Heilige Geist? – von meinem Bildschirm her zu. Das kam so: Vielen von Ihnen wird es gleich gehen wie mir. Ich tippe das Wort «reformiert» jeden Tag mehrmals in meine Tastatur. Meine Finger schaffen es in hoher Geschwindigkeit, ohne, dass das Hirn sich dabei gross anstrengen
müsste – fast wie im Schlaf. Als ich nun also Folie um Folie beschriftete mit Gedanken wie dem, dass eine reformierte Kirche, die nicht mehr im Stande
wäre, sich zu reformieren, einen Widerspruch in sich darstelle, stand da plötzlich «Redormierte Kirche».

Weder zum Gähnen noch zum Einschlafen
«Dormir» «Schlafen» und «Re-dormir» «wieder schlafen» kam mir da sofort in den Sinn. Wie im Schlaf schreibe ich «reformiert». Wie im Schlaf bin
ich vielleicht manchmal auch «reformiert». Reformiert-sein ist mir so vertraut, dass ich mir im Alltag kaum mehr Gedanken dazu mache. Es ist hoffentlich
nicht so schlimm, dass es nur noch zum Gähnen oder zum Einschlafen ist. Aber der kleine Tippfehler hat mich auf humoristische Weise vor meinem
Bildschirm wachgerüttelt. Eine «redormierte» Kirche, die nach dem Reformationsjubiläum einfach wieder in den Schlaf des Gerecht(fertigt)en
versinkt, nein, das ist wirklich keine «reformierte» Kirche.

Düsen oder dösen
Aber was heisst es nun konkret, «reformiert» zu sein und nicht «redormiert»? Diese Frage ist so gross, dass ihre Beantwortung im ganz Kleinen anfangen
muss. Ich fange in der Advents- und Weihnachtszeit an. Diese Zeit und die mit ihr verbundenen Bräuche sind mir so vertraut, dass es mir passieren könnte wie beim Schreiben eines geläufigen Wortes: ich verschlafe ihren ursprünglichen Sinn. Ich lasse mich nicht reformieren, nicht neu bewegen von dem, worauf wir im Advent warten und was wir an Weihnachten feiern. Ich döse gewissermassen – trotz, oder gerade wegen eifriger Geschäftigkeit, durch die kerzenerleuchtete und von feinen Düften verschönerte Adventszeit.

Das will ich verhindern
So will ich versuchen, beim Anzünden von Kerzen im Advent und an Weihnachten offen zu sein dafür, dass durch Jesus Gottes Licht in die Welt
kommt. Ich will bei der Verteilung der Geschenke daran denken, dass Jesus nicht irgendetwas, sondern sich selbst verschenkt hat. Ich will mich berühren
und bewegen lassen von Gottes Mitmenschlichkeit und diese Bewegung weitertragen. So will ich meinen – wenn auch kleinen – Beitrag gegen
einschläfernde Gewohnheit und für die erneuernde Kraft des Glaubens an Gottes Gegenwart leisten. Ich wünsche Ihnen eine bewegende – eine reformierende – Adventszeit und gesegnete Weihnachten!

Diesen Beitrag finde ich...
  • spannend (4)
  • berührend (1)
  • lustig (2)
  • nachdenklich (13)
  • wichtig (2)
  • fragwürdig (0)
  • langweilig (0)

2 Kommentare

  1. bekanntlich haben wir zu wenig schlaf. nicht harmlos, denn der herr gibt’s den seinen im schlaf. im schlaf findet die erneuerung statt, erreicht uns auch der traum, dessen deutung uns reformiert. was aus dem grab des schlafs hervorspriesst, das ist es. kommt durch jesus in jeder hinsicht licht in die welt? vielleicht braucht es da tatsächlich eine redormation. vielleicht sind Sie zu früh zur tagesordnung übergegangen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie sämtliche mit * markierten Pflichtfelder aus.