verfasst von Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg
Die Jahreslosung 2026 kommt doch irgendwie erfrischend daher. Alles neu! Das passt ganz gut zum Anfang des neuen Jahres, und es passt wunderbar zu unserer Kirchenreform: Alles neu, und zwar ganz genau so, wie wir es uns immer vorgestellt haben. Sie merken: Die Jahreslosung aus dem Buch der Offenbarung des Johannes (21, 5) hat etwas Verführerisches. Wer wünschte sich nicht manchmal, es wäre alles neu, weil man des Alten überdrüssig ist? Aber wäre man dann wirklich glücklicher? Und gleichzeitig, Hand auf’s Herz: Wer möchte das wirklich und wahrhaftig: ALLES … NEU? Also ich wäre damit total überfordert. Ich würde mich gar nicht mehr zurechtfinden. Ich stelle mir vor, ich würde am Morgen aufwachen, in einem neuen Bett, in einem neuen Haus, würde in meinem neuen Pyjama in neue Pantoffeln schlüpfen und das neue Badezimmer suchen und dort – oh Schreck: einer neuen Frau begegnen! Spätestens hier erwache ich lieber aus dem Albtraum!
Und doch ist das Neue eigentlich oft eine Herausforderung. Nicht einfach nur gut und in jedem Fall besser als das Alte. Bekanntes und Gewohntes – lange lieb Gewordenes – verleihen uns Sicherheit. Die Vorstellung, dass «neu» auch «besser» bedeutet, hat sich ohnehin erst in der Konsumgesellschaft der letzten hundert Jahre herausgebildet. Für frühere Generationen war eher «alt» und «bewährt» ein Qualitätsmerkmal als «neu».
«Siehe ich mache alles neu», in der Offenbarung des Johannes wurde vor rund 1900 Jahren in eine Situation hinein gesprochen und geschrieben, die sich vollkommen von der Unsrigen hier und heute unterschied. Tatsächlich muss das frühe Christentum damals in grosser Bedrängnis gewesen sein. Einerseits hatte sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass Christus noch zu Lebzeiten der Augenzeugen wiederkommen würde. Die erste Generation, die Jesus noch persönlich gekannt hatte, war längst tot. Der jüdische Tempel in Jerusalem war zerstört worden, die letzten Versuche des jüdischen Volkes, sich gegen Rom aufzulehnen waren brutal niedergeschlagen worden. Gleichzeitig kam es zu ersten Christenverfolgungen im Römischen Reich. Davon lesen wir einige Verse vor unserer Jahreslosung im Kapitel 20, Vers 4. Für die junge Christenheit eine Zeit voll Angst, Ungewissheit und Chaos. Man versammelte sich im Verborgenen und im kleinen Kreis. Offen zum Glauben zu stehen war lebensgefährlich.
Das Neue war hier verbunden mit der Hoffnung auf Gerechtigkeit, auf den Sieg der Unterdrückten über die Unterdrücker, auf Gott und den wiederkehrenden Christus, der Gericht hält und ein einen neuen Himmel, eine neue Erde und ein neues Jerusalem schafft. Wir würden es uns zu leicht machen, wenn wir den Text einfach hoppla hopp in unsere Zeit übertragen wollten. Die Offenbarung des Johannes ist voll von Irritationen, schwer verständlichen Bildern und theologischen Herausforderungen für Christinnen und Christen, die in einer relativ sicheren und im Durchschnitt mit Wohlstand verwöhnten Gesellschaft leben.
Die Offenbarung spendet Trost und Hoffnung für Menschen, die täglich mit Krieg und Gewalt, Unterdrückung und Ungerechtigkeit oder Schreckensherrschaft konfrontiert sind. Der Vers «Siehe, ich mache alles neu», wie er dem Kontext der Offenbarung entnommen ist, muss für uns uneindeutig und offen bleiben. Angesichts des uns täglich vor Augen stehenden Leids in der ganzen Welt ist er eine echte Herausforderung. Wo stehen wir, wenn Gott «alles neu» macht? Ich schlage vor, dass wir nun vorerst das neue Jahr bescheiden, demütig und dankbar in Angriff nehmen. Auch uns gilt die Zusage: Gott ist es, der das Neue schafft, während wir versuchen, seine Kirche so aufzustellen, dass sie sich für ihn und sein Wirken öffnen kann. Das schenkt Hoffnung und Zuversicht mit Blick auf unsere Reform!
verfasst von Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg

„wer möchte das wirklich und wahrhaftig: ALLES … NEU?“ ICH! nämlich alles von grund auf erneuert. wie wäre es, bewunderter gitarren- und sprechgesangvirtuose, mit einer von grund auf erneuerten frau, nämlich der Ihren? das wäre doch echt erfrischend! und umgekehrt auch für sie. „a l l e s ist neu geworden!“ ruft paulus aus. (2kor 5.17) diese erfahrung ist möglich. an anderen stellen ist es auch bei ihm das „simul iustus et peccator“ (gerecht und sünder zugleich) luthers. „ein neuer himmel und eine neue erde“ heisst nicht ein anderer himmel und eine andere erde, sondern diese von grund auf erneuerte welt. und das könnte sie gut gebrauchen. das gilt auch für unser land im relativen wohlstand. 2024 warteten durch die veränderte weltlage oder ihre arbeitsbedingungen belastete jugendliche im durchschnitt 56 tage auf eine sprechstunde. und auch unser land ist vom zweifel betroffen, ob wir den klimaerwärmungsstopp noch schaffen werden, während wir pro person und jahr 1 kilo mikroplastik produzieren, meines wissens pro monat eine kreditkarte davon essen und zu befürchten ist, dass da noch PFAS dabei sind. in der offenbarung des johannes, aus der die jahreslosung stammt, ist es dann doch nicht „alles“. nicht alle kommen in die vom himmel herabgekommene stadt hinein. nur die, die eingetragen sind im buch des lebens, heisst es 21.27. hält gott sich nicht an das liebesgebot? die 7, habe ich gestern gelesen, symbolisiere vertieftes erkennen. dem müssen wir nachgehen – auch wenn uns 22.19 gleich noch angedroht wird, dass wir, wenn wir von diesem buch etwas wegnehmen, nicht vom baum des lebens bekommen.